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Horror aus Ostholstein

Langenhagen/Bungsberg Horror aus Ostholstein

Levin und Marte Kurio machen Horror-Comic-Hefte - und sind damit ziemlich einzigartig in der Republik.

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Das "Horror-Paar" Marte und und Levin Kurio in ihrer Ostholsteiner Comicwerkstatt.

Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Langenhagen/Bungsberg. Das Haus liegt am Feldrand, ein roter Klinkerbau. Ein blauer Zaun vor der Haustür, ein Bäumchen im Topf rechts daneben. Es ist ziemlich ruhig hier, ziemlich akkurat und idyllisch. Unten im Keller aber stehen die Toten auf, steigen Kraken aus der Gruft und sieht der gedemütigte Gul rot. Unten im Keller wohnt der Horror.

Der Vater des Horrors heißt Levin Kurio, ein freundlicher Mann von 38 Jahren. Lange Haare, Brille, ein ehemaliger Philosophie- und Ethnologiestudent mit Hang zu Monstern, Mumien und Mutationen. Er denkt sich diese schräge Düsterwelt und ihre Bewohner aus, zusammen mit seiner Frau Marte (34), einer Musik- und Literaturwissenschaftlerin, und etwa alle vier Wochen entlassen sie ein neues Comicheft in die Horrorgemeinde. Ende der Neunziger hat er das als Gewerbe angemeldet, noch zu Studienzeiten, seit fünf, sechs Jahren können sie davon leben.

Die Horrorwerkstatt ist ein kleiner Raum unten im Haus, nebenan stapeln sich im Lager die Kartons. Hier am Schreibtisch wird das Grauen geboren. Hier entstehen Serien mit gediegenen Namen wie „Horrorschocker“ oder „Schauriger Schund“, hier werden „Captain Berlin“ und „Bella Star“ in ihre seltsamen Geschichten entsandt oder „Kala, die Steinzeit-Amazone“ zu den Gul in die blutenden Berge.

Und entstehen heißt: Ideen entwickeln, Geschichten erzählen, von Hand zeichnen, texten, am Rechner kolorieren. Und zwar alles selbst, manchmal unterstützt von freien Zeichnern. Das macht den Kurio-Verlag ziemlich einzigartig in der Bundesrepublik. Andere Verlage arbeiten meist mit fremden Lizenzen, in Langenhagen ist der Horror einer aus eigenem Anbau.

Die normalen Hefte zählen etwa zwei Dutzend Bilderseiten. Sie enthalten zwei bis fünf abgeschlossene Kurzgeschichten, haben eine Auflage im unteren vierstelligen Bereich und kosten 3,90 Euro. Man bekommt sie in Deutschland und Österreich, in Lübeck etwa am Bahnhof oder in Comic-Läden. Der Schwerpunkt im Kurio-Haus ist der Horror, es gibt etwas Science Fiction, die Erotik-Sachen haben sie inzwischen zurückgefahren.

Wie kommt man auf eine Horrorgeschichte? „Am besten beim Frühstück“, sagt Levin Kurio. Manchmal läuft ihnen dann eine Idee über den Weg, die sie zu einer Geschichte weiterspinnen. Manchmal fällt ihnen auch im Alltag etwas auf. Sie erleben Dinge, in denen sich beim genauen Hinsehen der Horror verbirgt. Wenn Freunde wie der großstädtische Kammerjäger ins Erzählen kommen, fällt oft etwas ab.

Wenn bei der Varus-Schlacht eine Kohorte im Sumpf verschwindet, kann man sich Gedanken machen. Selbst „Tagesschau“-Nachrichten über Gen-Mais können ins Gruselige mutieren. Und unterm Strich steht dann eine 60-Stundenwoche.

Horror ist schon eine Nische, sagt Kurio, der das Zeichnen nicht gelernt hat, sondern es einfach kann. Zumal in Deutschland mit einem sehr aktiven Jugendschutz. Aber wichtig gewesen sei Horror schon immer. Der aus Langenhagen wird vom Jugendlichen bis zum Pensionär gekauft, der Schwerpunkt liegt bei 30 bis Mitte 40, etwa ein Viertel sind Frauen.

Und wie ernst muss man das alles nehmen? Nicht über Gebühr. „Dazu ist es oft einfach zu geisterbahnig“, sagt Kurio. Außerdem lasse sich fast jede Geschichte auch als Schauergeschichte erzählen. So sieht er den Horror in Storms „Schimmelreiter“, bei E.T.A. Hoffmann sowieso und dann noch tiefer hinein in die Literaturhistorie. Überhaupt sei ja der Mensch des Menschen Wolf, „da kann man eigentlich eine Menge draus machen“.

www.weissblechcomics.com

 Peter Intelmann

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