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Kultur im Norden Horror aus dem Reihenhaus
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18:10 11.08.2018
Am Arbeitsplatz: Wolfgang Hohlbein schreibt mit der Hand an einem kleinen Pult im Wohnzimmer. Quelle: Foto: Christophe Gateau/dpa
Neuss

Das funktioniert. Es funktioniert sogar sehr gut. Mehr als 200 Bücher hat er so schon geschrieben und gilt mit einer weltweiten Gesamtauflage von etwa 44 Millionen als einer der meistgedruckten deutschen Schriftsteller. Am Mittwoch kommender Woche wird Wolfgang Hohlbein 65 Jahre alt.

Man würde nicht vermuten, dass dieser freundliche Mensch gruselige Thriller schreibt, die empfindlichere Naturen besser nicht vor dem Zubettgehen lesen sollten. „Ich habe das Glück, mein Hobby zum Beruf gemacht zu haben“, sagt der komplett schwarz gekleidete, schmal gebaute Mann, dem die angegrauten Haare auf die Schultern fallen. Als Arbeit empfinde er das Schreiben nicht.

Seit Jahrzehnten schreibt er an seinem stillen Pult stetig ein Buch nach dem anderen: nicht nur Gruselgeschichten, sondern auch Kinder- und Jugendliteratur, historische Krimis, Fantasyromane und Märchen. Mehrere Bücher hat Hohlbein zusammen mit seiner Frau Heike (63) geschrieben. Schon ihr erster gemeinsamer Roman, das Fantasy-Jugendbuch „Märchenmond“, wurde 1982 ein Bestseller. Damals gab es außer Michael Ende („Die unendliche Geschichte“) niemanden, der in dem Genre unterwegs war. Hohlbein, ein gelernter Industriekaufmann, hatte zuvor seinen ungeliebten Job mutig an den Nagel gehängt.

Die Hohlbeins sind Familienmenschen. Sie haben sechs erwachsene Kinder und sechs Enkel. Fast alle wohnen Tür an Tür in einer Reihenhaus-Zeile am Rand von Neuss im Rheinland. Im Haushalt leben auch vier Hunde und zwei Katzen. Von hier aus, wo man auf Mais- und Kohlfelder blickt, bricht er auf zu Lesereisen und Fantasy-Treffen. Dorthin gehen die Hohlbeins auch mal kostümiert – er in einem mittelalterlichen Gehrock, Ehefrau Heike als Fantasy-Lady.

Demnächst wird seine Kinderbuchreihe „Die Wolf-Gäng“ in Hessen verfilmt. Darin geht es um Jugendliche mit außergewöhnlichen Fähigkeiten aber auch normalen Schwächen, etwa eine Fee mit Flugangst. Und ein neues Buch hat er auch in Arbeit, natürlich. Wovon es handelt, wird aber nicht verraten.

Einer seiner letzten Thriller, das „Mörderhotel“, ist an einen historischen Fall aus dem Chicago des ausgehenden 19. Jahrhundert angelehnt. Im Zentrum steht ein Hotel mit Falltüren und Geheimgängen, in dem Menschen verschwinden und schreckliche Dinge passieren. Den „Hauptspaß“, erzählt Hohlbein, habe er an Mittelaltergeschichten. „Das ist der kleine Junge in mir“, sagt er vergnügt mit leiser Stimme.

Ändert sich nach dem 65. Geburtstag für ihn etwas? Eher nicht. In fünf Jahren, also nach dem 70., werde er es vielleicht etwas ruhiger angehen lassen, sagt er. Einstweilen schreibt der Hobby-Motorradfahrer fleißig weiter, vorzugsweise nachts, und lebt nach seiner Fasson.

„Ich nehme mir die Freiheit heraus, nicht erreichbar zu sein“, sagt er. Das Handy hat Hohlbein auf prepaid umgestellt. Er telefoniert selten, zehn Euro alle sechs Monate reichen. Dass er trotz seiner auffälligen langen Haare auf der Straße meist nicht erkannt wird, stört ihn nicht: „So kann ich mit der Familie in die Eisdiele gehen.“ Ulrike Hofsähs

LN

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