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Houellebecq im Clinch mit Frankreichs Politik

Paris Houellebecq im Clinch mit Frankreichs Politik

Vor einem Jahr sorgte der Autor mit seinem Roman „Unterwerfung“ für Aufsehen — nun provoziert er wieder.

Paris. . Vielen Autoren wird die Ehre einer Gesamtausgabe ihrer Werke posthum zuteil. Oder aber weil sie in hohem Alter sind. Doch Michel Houellebecq ist weder das eine noch das andere. Exakt ein Jahr nach der Veröffentlichung seines in Frankreich als islamfeindlich kritisierten Bestsellers „Unterwerfung“ ist nun der erste Band seiner Gesamtausgabe mit Texten aus den Jahren 1991 bis 2000 erschienen. Seine Leser lebten in der Regel in kleinen Wohnungen, schreibt 59-Jährige in dem Vorwort. Platz in der Bibliothek zu gewinnen sei wichtig und einer der Gründe dieser Ausgabe.

Der erste Teil von ungefähr 1200 Seiten liegst seit gestern im französischen Buchhandel aus. Ein Datum, das schmerzliche Erinnerungen wachruft. Denn am 7. Januar stürmten zwei islamistische Extremisten die Pariser Redaktion der Satirezeitung „Charlie Hebdo“. Das Attentat mit zwölf Toten fand zeitgleich zum Erscheinen von Houellebecqs politischer Fiktion statt, in der Frankreich von den Muslimbrüdern regiert wird. Nach dem Terrorangriff war nach einem Zusammenhang mit dem Buch und dem Blutbad gesucht worden. Denn „Charlie Hebdo“ machte an jenem Tag mit Houellebecq auf.

„Nein, Frankreich, das ist nicht die Unterwerfung, Frankreich, das ist nicht Michel Houellebecq“, erklärte der französische Premierminister Manuel Valls. Und Houellebecq hatte nach dem Anschlag auf die als islamkritisch geltende Wochenzeitung seine Werbekampagne in Frankreich abgebrochen und alle Lesungen abgesagt.

Seitdem hat sich Houellebecq aus der französischen Öffentlichkeit weitgehend zurückgezogen. Dabei hatte er sich nach mehrjährigem Aufenthalt in Irland erst vor etwas mehr als zwei Jahren wieder in seinem Heimatland niedergelassen. Frankreich sei kein schlechtes Land, wenn man alt wird, spöttelte er. Seine Rückkehr hat sich der Provokateur aber wahrscheinlich anders vorgestellt.

Seinen einzigen öffentlichen Auftritt gab er nach den Terroranschlägen in Deutschland, wo sein Buch von den Kritikern gefeiert wurde.

In der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ wurde Houellebecq vor kurzem deutlich. In einer Kolumne mit dem Titel „Ich klage Hollande an und verteidige die Franzosen“

kommentierte er die Attentatserie in Paris vom 13. November. Staatschef François Hollande nannte er einen „bedeutungslosen Opportunisten“, Valls einen „Geistesschwachen“.

Die Regierung habe versagt, sie sei der Verpflichtung, die Bevölkerung zu schützen, nicht nachgekommen, erklärte er.

Houellebecq liegt mit Frankreich im Clinch, in Deutschland wird er als Visionär geschätzt. Karin Beier, Intendantin des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, inszeniert jetzt auf ihrer Bühne den Houellebecq-Roman „Unterwerfung“ als Monolog mit dem Schauspieler Edgar Selge. Premiere ist am 6. Februar. Ganz wohl scheint Beier nicht dabei zu sein. Vorsichtshalber kündigt das Theater eine Begleitveranstaltung in Kooperation mit der Katholischen Akademie unter dem Titel „Rückkehr zur Religion“ an — damit die Utopie des Autors von der Machtübernahme der Islamisten in Frankreich auch angemessen eingeordnet wird.

Sabine Glaubitz/mib

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