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Howie ganz locker und entspannt

Hamburg Howie ganz locker und entspannt

Bier, Beatlesflair und Bekenntnisse beim „Birthday Bash“ mit Carpendale in Hamburgs Großer Freiheit: „Ich rauch auch mal einen Joint“.

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Hamburg. „Jetzt fragt ihr euch sicher, warum singt der Carpendale in der Großen Freiheit? Weil isch einfach Lust dazu hatte!“, sagt der Mann mit dem charakteristischen Zischlaut. Zum kurzfristig veranstalteten „Birthday Bash“, der Fete anlässlich seines 70. Geburtstags im Januar, hatte Howard Carpendale seine große Gemeinde in den legendären Kiezclub auf St. Pauli eingeladen.

„Robbie Williams hat hier gespielt, Lenny Kravitz und Coldplay, alles tolle Musiker, und die Beatles bisschen weiter unten“, sagt der Barde mit Blick auf den Kaiserkeller im Erdgeschoss. Die Pilzköpfe habe er 1968 höchstselbst in den Apple-Studios kennengelernt, das alles könne man in seinem im März erscheinenden Buch nachlesen.

Auf Betreiben eines seiner Begleitmusiker, der bei einem Spiel des FC St. Pauli mehrmals ein von Fußballfans gegröltes „Ti Amo“ gehört haben will, kam der Gig im Hamburger Rock-Schuppen zustande.

Und so freut sich der Hüne mit dem lässig um den Hals drapierten Schal, der zwei Tage zuvor noch im CCH gastierte, einmal „ganz zwanglos und relaxed“ auftreten zu können. Wenig habe man geprobt, sicher werde man sich auch mal verspielen. Im Publikum triumphiert die Damenwelt, einige davon an der Seite ihrer buchstäblich mitgenommen aussehenden Männer. Glitzershirts, Discogürtel und Dauerwellen erleben ein überraschendes Comeback. „Egal, wo ich auftrete, die Gesichter sind immer dieselben“, bemerkt Carpendale und lächelt nachgiebig.

Mit „Das ist unsere Zeit“, dem Titelsong des aktuellen Albums, und dem Klassiker „Samstag Nacht“ geht es dann doch im vertraut rockigen Sound los, in dem der Südafrikaner seit dem Comeback im Jahr 2007 Altbewährtes und Neues zu verpacken pflegt. Mal stehend, mal auf dem Hocker sitzend, packt er jede Menge Anekdoten aus, berichtet, wie er einst Sammy Davis junior und Dean Martin für sich entdeckte und Elvis Presley lieben lernte: „Ich bin nicht schwul, aber der sah so geil aus damals.“

Vor seinem Idol verbeugt sich der ehemalige Elvis-Imitator mit einer gekonnt schmalzigen Version von „Love me tender“. Als ein Roadie Bierflaschen für die elfköpfige Band auf die Bühne bringt, lässt sich auch Howie nicht lumpen. „Klar trinke ich auch mal Bier, ich rauche auch mal ‘nen Joint, wenn jemand was dabei hat“, sagt er verschmitzt und lässt offen, ob man dieses Geständnis denn nun wirklich ernst nehmen soll.

An diesem Abend will Carpendale zeigen, dass er auch mal ganz anders kann. Mit aufgeklapptem Notenständer und Brille auf der Nase („Wer jetzt ein Foto macht, kriegt Probleme!“) wird „Islands in the stream“ von Kenny Rogers und Dolly Parton angestimmt, ein Titel, den nach Carpendales Meinung Jürgen Drews hätte auf Deutsch einspielen sollen: „Jürgen ist einer der geilsten Sänger auf dem Planeten, ich weiß nicht, warum er diesen Ballermannkram macht.“

Gerührt verabschiedet sich Howie nach knapp zwei Stunden: „Jeden Morgen blicke ich in den Spiegel und bin dankbar, nach 50 Jahren immer noch Musik machen zu dürfen — das hab isch eusch ssu verdanken.“

Alexander Bösch

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