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Kultur im Norden Humoreske in Moll, Sehnsucht in Dur
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18:10 06.07.2017
Pronstorf

Gibt es das: einen deutschen oder französischen Kammermusik-Klang? Erdig-dunkel gegen elegant und hell? Klangsignaturen, wie sie Orchestern zugeschrieben werden? Beim SHMF-Konzert der Brüder Renaud (Geige) und Gautier Capuçon (Cello) mit ihrem Klavierpartner Frank Braley im Kuhstall von Pronstorf sollte es geklärt werden: Die drei Franzosen würden eine zentrale Komposition von Maurice Ravel – das Klaviertrio a-Moll von 1914 – à la Française zu Gehör bringen. So wurden sie angekündigt.

Vor einem begeisterungswilligen Publikum führten sie es vor: Leuchtende Klavierterzen erklangen zunächst zu auftrumpfenden Unisono-Streichern. Alle drei Musiker führten dann ein reges Eigenleben und bilden doch eine Einheit. Sie zelebrierten eine Humoreske in Moll. Im „Pantoum“ überschriebenen Satz mit seinen Taktwechseln kicherten Violine und Cello, am Flügel machte sich ein Kobold breit. Zartestes Pianissimo, bei dem draußen die Amseln die Musiker übertönten, wechselte mit dynamischen Eskapaden. Selbst der langsame Satz wurde zum Tanz. Dass die drei ausgezeichnete Instrumentalisten und Ensemble-Musiker sind, ist keine Frage.

Eingerahmt wurde der Ravel von zwei Schubert-Trios, die 100 Jahre früher entstanden sind, beide in Es-Dur. Dabei war alles Leichte perdu, die Franzosen würdigten den Österreicher mit heiligem Ernst und gebührender Melancholie. „Stets Bein vor Bein macht deutsch und schwer“, sagte einst Friedrich Nietzsche. Da tanzte nichts aus der Reihe, selbst die heiteren Momente waren verhalten. Und dann im Finale die Überraschung: Das Trio schlug Funken aus Schuberts Sehnsuchtsklängen, und man war versöhnt.

mib

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