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„Ich bin immer nur gerannt“

Lübeck „Ich bin immer nur gerannt“

Cro, Rapper mit Panda-Maske, spielt sich selbst in einem Film Unsere Zeit ist jetzt“ und erzählt, wie es ist, bei den Eltern auszuziehen und vor allem zu malen.

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„Was mache ich hier eigentlich?“: Sänger Cro jüngst bei der Filmpremiere in Berlin.

Quelle: dpa

Lübeck. Sie haben gerade das Genre gewechselt – von der Musik ins Kino. In Ihrem Film „Unsere Zeit ist jetzt“ wollen Filmstudenten das Leben des Rappers Cro erzählen – wie viel von Ihrer eigenen Geschichte steckt da wirklich drin?

 

LN-Bild

Na schau mal her – der rappende Maskenmann Cro diesmal als Schauspieler.

Quelle: Warner

Cro: Nicht so viel. Der Film ist ja keine Biografie. Es ist eher eine Geschichte, in der ich dabei bin. Ich wollte etwas Verrücktes. Jetzt haben wir da ordentlich reingepfeffert mit verschiedenen Ebenen und Genres.

Ihre wichtigste Erfahrung bei dieser Filmproduktion?

Cro: Dass man früh genug anfangen muss, Dinge zu planen. Wenn man mit einer Idee ein bisschen zu spät kommt, ist das nicht umsetzbar. Dann muss man das annehmen, dass es nicht geht – oder einfach mal Nein sagen, ans Set kommen und sagen: So drehen wir das nicht. Und das konnte nicht mal ich zu oft machen.

Sie haben Mediengestalter gelernt, machen Musik, jetzt der Film – haben Sie so etwas wie ein Haupttalent?

Cro: Zeichnen. Das kann ich vielleicht etwas besser als die Musik, aber mit Musik verdient man halt ein bisschen mehr Geld. Als Maler verdient man Geld erst, wenn man tot ist. Aber dafür male ich auch fleißig, und später mal können die Enkel dann die Bilder verscherbeln.

Und wie malen Sie?

Cro: Auf großen Leinwänden. Mit ’ner Kippe im Mund fühle ich mich dann wie Picasso.

Wie geht’s jetzt weiter?

Cro: Ich bin vier Jahre lang nur gerannt, habe nie zurückgeguckt, mein ganzes Leben immer nur gerannt. Jetzt bin ich das erste Mal an dem Punkt, wo ich stehen bleibe, mich umdrehe und ganz viele Menschen mir folgen. Das erste Mal kann ich jetzt sagen: Was mache ich hier eigentlich? Ich glaub’, ich geh’ wieder heim.

Und „heim“ heißt?

Cro: Heim heißt, jetzt kann ich mal durchatmen, ein bisschen überlegen, die Sachen ein bisschen durchdachter angehen. Ich arbeite gerade an einem neuen Album und habe auch schon während der Tour ziemlich viel dafür gemacht, was eigentlich gar nicht geplant war. Und in Stuttgart – da habe ich ein kleines Haus und alles reingepackt, was ich an Musikzeug hab’ – habe ich für den ganzen Herbst Menschen eingeladen, Musiker aus der ganzen Welt, die ich kennengelernt habe, und wir machen zusammen Musik.

Ein Haus in Stuttgart – Sie sind also offiziell bei den Eltern ausgezogen?

Cro: Ja. Ich war ja schon öfter mal weg und wieder zu Hause, hab’ immer wieder die „base“ gepflegt. Aber jetzt bin ich wirklich mal in einem eigenen Haus – geil!

Wohnen Sie jetzt mit Ihrer Freundin zusammen?

Cro: Nee. Das ist eine Single-Bude. Mein Bruder wohnt noch da, aber es ist viel zu groß – ich habe nie gezählt, wie viele Zimmer, es hat unendlich viele. Und alle sind immer da. Jeder Raum ist etwas anderes. In einem Raum kann man malen, im anderen Raum, im Studio, kann man Musik machen, im nächsten Raum ist ein Beamer zum Videoschneiden, im nächsten steht eine überkrasse Couch, worauf alle immer Fotos machen mit irgendwelchen Mädchen. Es ist wirklich so ’ne richtige Factory wie damals Andy Warhols Studio. Ein krass kreatives Haus.

Bekommen Sie manchmal auch Angst vor dem Erfolg?

Cro: Ja, das gibt’s. Ich hab’ angefangen in zerrissenen Jeans, jetzt ist der Erfolg da, wurde zum Standard – und jetzt muss ich etwas dafür tun, dass es so bleibt. Da muss ich mich immer wieder einmal ein bisschen prügeln, dass ich nicht krampfhaft den Standard halten will, dass ich locker bleibe. Eigentlich bin ich auch locker und brauch’s nicht.

Jedenfalls wirken Sie ziemlich tiefenentspannt.

Cro: Bin ich auch. Mich bringt man nicht so schnell aus der Fassung. Warum auch?

Interview: Regine Ley

Der Film über und mit dem Maskenmann

Nach vier Millionen verkauften Tonträgern ist für den 26-jährigen Cro (bürgerlich: Carlo Waibel) offenbar die Zeit reif für einen Film: Mithilfe von Til Schweigers Produktionsfirma und Cros Label Chimperator bringt der Stuttgarter Rapper mit „Unsere Zeit ist jetzt“ ein Generationenporträt auf die Leinwand. Kinostart war diese Woche.

Die Geschichte geht so : Nach seinem überragenden Karrierestart möchte der erfolgreiche Panda-Rapper Cro sich selbst auf der Leinwand sehen. Dafür fordert er Fans und Profis auf, in einem offenen Wettbewerb Ideen zu einem geplanten Kinofilm vorzustellen. Drei völlig gegensätzliche Konzepte überzeugen. Bei den Vorbereitungen kommen die drei jungen Nachwuchsfilmer einander näher.

Klar, Cro spielt den Rapper, Til Schweiger den Filmproduzenten und Peri Baumeister mimt eine der Finalisten mit Asperger-Syndrom. Der Regisseur Martin Schreier setzt bei seinem Kinodebüt auf eher unkonventionelle Erzählformen – ein Konglomerat aus Doku, Animation und Lovestory.

LN

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