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Kultur im Norden „Ich bin in meiner dritten Lebensphase“
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19:12 30.06.2017

Ihr neues Album heißt „iD“, zum Merchandising gehört eine Tasse mit aufgedrucktem Fingerabdruck und der Inschrift „You are unique“ – du bist einzigartig. Ein Küchenpsychologe würde jetzt sagen: Da ist jemand auf der Suche nach sich selbst.

Vom „Stadion-Paddy“ zum „Quoten-Paddy“ bei der TV-Show „Sing meinen Song“. Quelle: Foto: Andreas H. Bitesnich

Michael Patrick Kelly: Die Suche hat jetzt ein Happy End gefunden. Ich habe keine Wurzeln im klassischen Sinn. Ich bin in keinem bestimmten Land oder einer bestimmten Stadt groß geworden.

Mir fehlen Dinge, die einen normalerweise prägen. Normalerweise besteht das aus den Veranlagungen durch die Eltern, den Orten, an denen man aufwächst und lebt, und schließlich den Entscheidungen, die man trifft. Ich war immer on the road, habe keine Schule besucht, hatte keine Heimat.

Und das treibt einen ins Kloster?

Die Zeit im Kloster war sicherlich Teil meiner Suche nach mir selbst. Ich musste mich einfach auch eine Zeit davon freimachen, was andere von mir denken.

Wer sind Sie? Was macht Sie einzigartig?

Jeder Mensch ist sowieso, ohne dass er etwas Bestimmtes tut, einzigartig. Das findet sich in der DNA, aber auch im Spirit, in der Seele. In meinem Fall gilt, wenn man in Kategorien spricht: Ich bin Musiker. Ich bin Künstler. Ich bin Ehemann. Ich bin Ire und Amerikaner. Ich bin Christ. Aber darüber hinaus ist jeder Mensch eben auch ein Mysterium.

Wie wichtig war es für Sie, aus dem Kollektiv der Kelly Family herauszutreten, die ja jetzt wieder – ohne Sie – auf Tour ist?

Ich habe vor 13 Jahren den Schritt aus der kollektiven Identität heraus und einen Neuanfang als Solokünstler gemacht. Ich liebe meine Geschwister. Aber die Kelly Family passt gerade nicht in mein Lebenskonzept: So ein Zyklus mit Album, Promotion und Tour dauert mindestens eineinhalb bis zwei Jahre. Das wäre neben meiner Albumproduktion „Sing meinen Song“ und den eigenen Konzerten viel zu viel. Und ich mache keine halben Sachen. Nur kurz mal bei den Auftritten aufzutauchen und ein bisschen was zu singen, das ist nicht mein Stil.

Sie wollten lieber etwas Eigenes machen?

Ja, und das ist wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass es mich so erwischt hat, als Gentleman in der Sendung „Shake away“ gesungen hat. Dieses Lied ist für mich mit der Trennung verbunden, mit dem Beginn der dritten Phase meines Lebens.

Welches sind die anderen Phasen?

Die erste ist für mich die mit meinen Eltern und der Familie, von der Straße in die Stadien, im Campingwagen geboren und mit 20 in einem Schloss lebend. Die zweite Phase waren die sechs Jahre im Kloster, in denen ich als Mönch gelebt und dem Showbusiness den Rücken gekehrt habe. Und jetzt bin ich wieder ins Leben zurückgekehrt. „Shake away“ ist die erste Note dieser Zeit – so wie bei Sting „If you love somebody, set them free“ oder „Freedom“ von Robbie Williams.

Sie mussten einmal alles abschütteln?

Ja, aber im Positiven. So eine Familie ist ein geschlossenes System, und irgendwann will so ein Bursche mal etwas Neues ausprobieren (lacht). Die Zeit im Kloster hat mich fasziniert, die festen Zeiten, die Gebete, die Suche nach Wahrheit, die Beschäftigung mit den großen Mystikern. Heute nehme ich vieles davon mit in meinen Alltag.

Sind Sie immer noch ein spiritueller Mensch? Songs wie „Golden Age“, „Higher Love“ oder „A little Faith“ klingen danach.

Meine Vorbilder sind Bruce Springsteen, U2 oder Johnny Cash. Alles Künstler, die Spiritualität in ihren Texten haben.

Sie haben gerade schon den Reggae-Musiker Gentleman angesprochen. Er ist auch auf „iD“ dabei, beim Titelsong. War das schon vor „Sing meinen Song“ verabredet?

Wir haben uns erst durch die Sendung kennengelernt, die wir ja schon im Frühjahr aufgezeichnet haben. In Südafrika haben wir spontan beschlossen, etwas zusammen zu machen. Gentleman ist ein Soul Brother geworden.

Er ist wie Sie ein Weltenbürger.

Ja, und auch ein sehr offener Mensch. Ein Gutmensch im guten Sinne des Wortes – das wird inzwischen ja auch mal als Schimpfwort verwendet. Der geht wirklich in die Townships und gibt Konzerte, die keiner mitkriegt. Oder in Flüchtlingslager.

Was hat Sie bewogen, bei der Sendung mitzumachen?

Früher gab es Sendungen wie „Rockpalast“ oder „Formel eins“, in denen man Musik präsentieren konnte. Heute gibt es so etwas nicht mehr – bis auf „Sing meinen Song“. Es ist für mich die beste Musiksendung im deutschsprachigen Raum. Man ist nur unter Kollegen. Es gibt ganz viel Respekt. Es ist natürlich auch eine Riesenplattform für Promotion, aber wenigstens keine, bei der man erzählen muss, wie man seine Gurken pflanzt oder seine Zeitung liest.

Ihre Sendung hat den Quotenrekord gebrochen. Das spricht für ein großes Interesse an Ihnen und Ihrer Musik.

Das hat mich sehr überrascht. Die Kollegen nannten mich immer „Stadion-Paddy“. Jetzt nennen sie mich „Quoten-Paddy“. Mal schauen, was als nächstes kommt (lacht).

Was kommt denn – abgesehen von der anstehenden Tour – als nächstes? Möglichst viel live spielen! Die Bühne ist mein Element wie das Wasser für den Fisch. Im Moment ist alles super. Wenn das so bleibt, bin ich happy wie ein Kind.

Morgen in Rostock

Michael Patrick „Paddy“ Kelly (* 5. Dezember 1977 in Dublin) kam als drittjüngstes Mitglied der Kelly Family zur Welt. Im Alter von 15 Jahren komponierte er den Titel „An Angel“, der für die Kelly Family 1994 den kommerziellen Durchbruch bedeutete. Ab seinem 18. Lebensjahr war Kelly musikalischer Leiter der Band. 2003 erschien sein Solodebüt „In Exile“, kurz darauf zog er sich in ein Kloster in Frankreich zurück und kehrte 2011 auf die Bühne zurück.

Morgen gibt er in Rostock um 18 Uhr auf der Bühne im IGA-Park ein Konzert.

„Sing meinen Song“: Die nächste Sendung läuft am Dienstag, 4. Juli, um20.15 Uhr auf Vox

Interview: Stefan Gohlisch

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