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Kultur im Norden „Ich finde mich gar nicht böse“
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18:57 21.02.2018
Piero Masztalerz kommt für seine Live Cartoon Show in seine Geburtsstadt Lübeck – er wohnt mit seiner Familie in Hamburg. Quelle: Foto: Felix König

Waren Sie schon immer witzig?

Ich habe gerade von meiner Mutter alte Zeugnisse bekommen. Da steht drin, dass ich wegen meiner originellen Ideen sehr schnell Freunde finde .

Haben Sie damals schon in die Schulhefte gezeichnet?

Ja, solange ich mich erinnern kann. Wir hatten einen ziemlich blöden Mathelehrer, der sah auch noch lustig aus – die wenigen Haare hatte er sich über die Glatze gekämmt, hatte einen Vollbart und Brille und stank nach Nikotin. Den haben wir gezeichnet und uns kaputtgelacht. Das war eine Möglichkeit, mit ihm fertig zu werden. Im Prinzip ist es jetzt nichts anderes. Was mich stört, zeichne und veralbere ich, dann geht’s mir besser.

Was stört Sie zurzeit gerade?

Zum Beispiel das Gedicht an der Berliner Hochschule, das wegen einer angeblich sexistischen Zeile übermalt werden muss. Dazu habe ich was gemacht.

Wie ist es mit politischen Themen, im Moment gibt es ja mehr als genug Vorlagen.

Zur Groko habe ich noch nichts gezeichnet. Ich arbeite kaum tagesaktuell – das ist dann am nächsten Tag schon überholt. Ich arbeite lieber an allgemeinen Themen.

Wann kamen Sie auf die Idee, mit dem Zeichnen Geld zu verdienen?

Nach dem Mathelehrer fielen mir viele andere lustige Sachen ein, die habe ich Zeitungen angeboten, mit 17 Jahren hatte ich schon einen Vertrag mit einer kleinen Zeitung. Trotzdem hatte ich sicherheitshalber eine Ausbildung als Druckvorlagenhersteller angefangen, die aber dann abgebrochen.

Richtig bekannt geworden sind Sie durch die Zeichnungen zur NDR-Comedy „Frühstück bei Stefanie". Kam da die Karriere in Gang?

Nein, im Vordergrund standen die Autoren, die die Witze geschrieben haben. Das war ja auch sehr lustig, aber mein Humor ist noch mal anders.

Ganz schön böse.

Ich find mich ja gar nicht böse. Ich versuche nur, gewisse Themen auf die Spitze zu treiben, das ist manchmal recht deutlich.

Und warum heißt Ihre Internetseite „Schöne Scheisse“?

Weil meinen Namen sowieso keiner schreiben kann. Es ist auch ein bisschen für mich, damit ich mich selbst nicht zu wichtig nehme. Wenn man Erfolg hat, denkt man, man muss seriös werden, und dann wird man unlustig. Um mich davor zu schützen, nenne ich mein Zeug lieber „Schöne Scheisse“.

In Ihrem Programm reden Sie mir Ihren Figuren, wie kamen sie auf die Idee?

Ich sollte auf einer Ausstellung in Kassel eine Lesung machen. Aber nur die Texte zu den Cartoons zu lesen, war mir zu langweilig. Ich habe mich schon immer für Standup interessiert und auch früher mal am Lübecker Theater in einer Laienspielgruppe gespielt. Also habe ich mir eine Geschichte ausgedacht, Figuren gezeichnet, deren Texte gesprochen und aufgenommen, einen Beamer gekauft und das Freunden vorgeführt. Das lief erstaunlich gut.

Wie muss man sich das vorstellen?

Das ist ein Mix aus Musik, Standup und Bildern. Ich denke mir eine Geschichte aus, zum Beispiel Rotkäppchen. Aber weil gerade kein Mädchen mit roter Kappe da ist, sondern nur ein übergewichtiger Alkoholiker, muss der Rotkäppchens Rolle übernehmen. Wir reden miteinander, so entwickelt sich die Geschichte. Oder ich rede mit Gott oder mache Musik.

Musik?

Ich habe eine Band gezeichnet, mit der ich musiziere. Ich spiele Ukulele und singe. In einem Teil der Show singe ich Lieder im Original und auf der Leinwand zeige ich, was der Künstler mit dem Lied gemeint hat. Zum Beispiel „Manchmal möchte ich schon mit dir“ von Roland Kaiser, auf der Leinwand sieht man, wie ein Mann versucht, sich seiner Frau zu entledigen. Klingt sexistisch, aber – auch wenn ich das Lied nicht mehr komplett durchsinge – am Ende gewinnt die Frau!

Sind Sie der Einzige, der so etwas macht?

Ja, das ist Neuland. Ich habe sehr lange probiert, bis es technisch und inhaltlich funktioniert. Ich brauche etwa 50 bis 70 Stunden für fünf Minuten Film. Das ist jetzt zum ersten Mal in Lübeck zu sehen.

Sind Sie im Alltag auch lustig?

Ich gebe mir Mühe. Ich zeig’ meinen Kindern meine Cartoons, die müssen eine ganze Menge aushalten, aber sie finden es lustig. Meistens jedenfalls.

Wann nicht?

Ich erzähle am Anfang eine Geschichte, wo ein Hamster brennt, und mein Sechsjähriger fand das nicht lustig.

Lassen Sie den Hamster in der Geschichte immer noch brennen?

Ja. Aber der ist ja auch niedlich und überlebt. Er hat nur kein Fell mehr und ist schwarz.

 Interview: Petra Haase

Live im Theaterschiff

Piero Masztalerz ist ein vielfach prämierter Cartoonist, er veröffentlicht regelmäßig in überregionalen politische und satirischen Magazinen und ist besonders in Norddeutschland bekannt für seine Figuren von „Frühstück bei Stefanie“. 2011 belegte er den ersten Platz beim Deutschen Cartoon-Preis. 2012 und 2014 gewann er den Hauptpreis beim Deutschen Preis für die politische Karikatur. Zu seiner Webseite geht es hier: www.schoenescheisse.de

Am Mittwoch, 21. Februar, ist er mit seiner Live Cartoon Show im Theaterschiff zu erleben. Beginn ist 20 Uhr, Tickets kosten 20 Euro.

LN

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