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„Ich habe alles überwunden, ohne zu brechen“

Plön „Ich habe alles überwunden, ohne zu brechen“

Mit Joseph Haydn nach London – Martina Gedeck und Sebastian Knauer ließen den Komponisten lebendig werden.

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Schauspielerin Martina Gedeck im historischen Kostüm in der Nikolaikirche in Plön mit dem Pianisten Sebastian Knauer.

Quelle: Axel Nickolaus

Plön. Joseph Haydn steht in diesem Jahr im Mittelpunkt des Schleswig-Holstein Musik Festivals, rund 100 Konzerte sind dem Komponisten gewidmet. Wer er war, wie er lebte und was ihn bewegte, darüber war bei einer Lesung mit Musik in der Nikolaikirche in Plön einiges zu erfahren.

Schauspielerin Martina Gedeck, die die Lesung bestritt, ist immer Aufmerksamkeit sicher. Dieses Mal aber trat sie als Person zurück zugunsten dieses unansehnlichen, pockennarbigen Mannes, dem die Frauen gleichwohl zu Füßen gelegen haben sollen. Gedeck ließ „wonderful Haydn“ lebendig werden – ihr Vortrag konzentrierte sich auf den ersten London-Aufenthalt des Musikers, der für ihn eine Reise in die Freiheit war. 30 Jahre lang hatte er in den Diensten des Fürsten Nikolaus Esterházy gestanden. Nach dessen Tod machte er sich – von seinem früheren Arbeitgeber finanziell für immer gut versorgt – 1790 im Alter von 59 Jahren auf die Reise nach England. Haydn fuhr allein, seine Frau, diese „höllische Bestie“, ließ er zurück.

Die Schifffahrt von Calais nach Dover war Haydns erste Fahrt auf hoher See. „Ich habe alles überwunden, ohne zu brechen“, schrieb er später. Seine Ankunft in London erregte großes Aufsehen. Wie er aufgenommen und gefeiert wurde und welche Intrigen gegen ihn gesponnen wurden, davon erfuhr das Publikum auf sehr unterhaltsame Weise. Was vor allem an Martina Gedeck lag, die es vorzüglich verstand, die Erlebnisse und auch das Wesen Haydns zu vermitteln – seine Schlagfertigkeit und seinen Witz. Die Schauspielerin las im Wechsel mit Pianist Sebastian Knauer, der zwei Haydn-Sonaten spielte und ein Stück von Haydns Freund Mozart.

Immer wieder ging es um Frauen, die eine große Rolle im Leben des Komponisten spielten: seine Vertraute Marianne Genzinger, mit der er im Briefwechsel stand, seine langjährige Geliebte, die Opernsängerin Luigia Polzelli, die Witwe Rebecca Schroeter, der er Klavierunterricht gab, die er liebte und die er geheiratet hätte, wenn er „ledig gewesen wäre“.

Das Publikum bedankte sich mit langem Applaus für den interessanten und kurzweiligen Abend.

liz

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