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Kultur im Norden „Ich lebe zwischen zwei Welten“
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14:46 31.10.2012
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Lübeck

„Das bin ich“, sagt der ältere Herr. Auf dem Foto, das er in der Hand hält, ist ein kleiner blonder Junge zu sehen: „Sie wollten Kinder von SS-Offizieren.“ Werner Schellack stammt aus Lübeck. Zusammen mit 82 anderen Kindern wurde er 1948 nach Südafrika gebracht. Dort sollten die Kinder, zumeist Waisen, ein besseres Leben haben. In ihrem Dokumentarfilm „Weißes Blut“ zeichnet die Filmemacherin Regine Dura zwei Schicksale nach.

Die Kinder wurden auf Initiative der südafrikanischen Hilfsorganisation „Dietse Kinderfonds“ aus der Armseligkeit im Nachkriegs- Deutschland ins Land geholt. Angeblich hatten sie nicht nur das Wohl der Kinder im Sinn, sondern wollten mit „arischen“ Kindern die erzkonservative burische Gemeinschaft stärken. Dura hörte 2003 erstmals von der Massenadoption. „Das hat mich nicht mehr losgelassen“, sagt sie. Sie ist nach Südafrika gereist, hat zwei ehemalige Adoptivkinder aufgespürt und sie begleitet. Beide – Peter Ammermann und Werner Schellack, Marketingmann der eine, Geschichtsprofessor der andere – haben es in Südafrika zu etwas gebracht. Aber beide haben sich dort nie wirklich heimisch gefühlt. Beide reisen nach Deutschland, um ihre Wurzeln zu finden.

Zwei ältere Herren suchen ihre Identität: Dura ist ein berührender Film gelungen. „I see myself as a Heimatvertriebener“, sagt Schellack. Seine deutsche Familie hat ihn warm aufgenommen. Er hat die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt und bekommen. Das Gefühl der Zerrissenheit aber wurde dadurch nicht kuriert. Zu gern würde er seinen Lebensabend in Deutschland verbringen. Dann jedoch müsste er Kinder und Enkelkinder in Südafrika zurücklassen: „Ich lebe zwischen zwei Welten.“

„Weißes Blut“, heute, 16.45 Uhr, Stadthalle, Kino 7

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