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„Ich liebe alte und neue Filme“

Lübeck „Ich liebe alte und neue Filme“

Seit gut 100 Tagen ist Florian Vollmers (44) Festival Manager bei den Nordischen Filmtagen Lübeck. Ein Job, der wie für ihn gemacht ist. Denn schon als Kind hat sich Florian Vollmers für Filme und fürs Kino interessiert. Im LN-Interview berichtet er, was seine Aufgaben sind, warum er so gut Dänisch spricht und welcher sein Lieblingsfilm ist.

Filme als Beruf und als Hobby: Florian Vollmers (44), Festival Manager der Nordischen Filmtage Lübeck.

Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Lübeck. Lübecker Nachrichten: Sie sind von Haus aus Journalist. Wie kommt man da zum Film?
Florian Vollmers:   Bei den Nordischen Filmtagen Lübeck war ich mehrere Jahre in der Pressearbeit tätig. Als ich vor fünf Jahren dann die Gelegenheit bekam, die Leitung des Unabhängigen Filmfestes Osnabrück zu übernehmen, habe ich die Chance ergriffen. Die Festival-Arbeit hat mir immer großen Spaß gemacht und tut dies noch immer.

LN: Können Sie sich an den ersten Film erinnern, den Sie gesehen haben?
Vollmers:  Das muss Ende der 1970er Jahre „Das Dschungelbuch“ gewesen sein. Anfang der 1980er Jahre folgte „E.T. – der Außerirdische“, der mich sehr beeindruckt hat. Ich habe schon früh eine Leidenschaft für Filme und vor allem für Filmgeschichte entwickelt. Mich hat immer interessiert, wie sich gesellschaftliche Entwicklungen im Film wiederspiegeln. Mein Hobby ist, alte Filme anzuschauen und daraus zu lesen, wie Menschen früher gelebt und gedacht haben.

LN: Was verbindet Sie mit Filmen aus Nordeuropa?
Vollmers: Den nordeuropäischen Filmemachern bin ich seit langem sehr verbunden. Wie viele andere Menschen auch bin ich ein großer Fan von Ingmar Bergman, der im nächsten Jahr 100 Jahre alt würde. Deshalb wird es 2018 weltweit Ingmar-Bergman-Projekte geben. Ich freue mich, dass wir – die Nordischen Filmtage Lübeck – uns daran beteiligen werden.

LN: Wie man häufiger erleben kann, können Sie sich mit Filmemachern aus Skandinavien in deren Muttersprache unterhalten.
Vollmers:  Ich spreche Dänisch. Während meines Studiums der Film- und Medienwissenschaften in Frankfurt am Main hatte ich Dänisch als Nebenfach gewählt, weil ich gern eine weitere Sprache lernen wollte und Dänemark mir vertraut war. Denn als Kind bin ich in den Ferien mit meiner Familie immer nach Seeland nördlich von Kopenhagen gefahren. Ich wollte auch die dänische Kultur verstehen. Ein bisschen Schwedisch spreche ich auch.

LN: Dänemark ist in, denn angeblich sind die Menschen dort weltweit am glücklichsten. Sogar eine Zeitschrift gibt es, die „Hyggelig“ heißt, was wohl so viel wie gemütlich bedeutet. Stimmt das Dänen-Klischee?
Vollmers:  Da ist etwas dran. Die Dänen gelten als die Südländer Nordeuropas. Von der Mentalität her sind sie quirliger als die anderen. Dänen setzen sich gern zusammen bei Kaffee und Kuchen – oder auch einem Bier und haben es hyggelig. Ich fände es richtig, wenn Dänemark bei den Nordischen Filmtagen noch stärker präsent wäre. Schließlich sind wir Nachbarn und werden durch den neuen Tunnel bald noch mehr zusammenwachsen.

LN: Seit gut 100 Tagen sind Sie der Festival Manager der Nordischen Filmtage Lübeck. Was managen Sie?
Vollmers:  Der Festival Manager der Nordischen Filmtage Lübeck kümmert sich um die Finanzierung und um die Sponsoren und Förderer des Festivals. Er kümmert sich um das Personal sowie um die organisatorischen und internen Abläufe. Er achtet darauf, dass alle Fäden zusammenlaufen. Zu seinen Aufgaben gehört auch, in die Zukunft zu schauen und an der Weiterentwicklung des Festivals zu arbeiten.

LN: Kümmert sich der Festival Manager auch um Film und um das Programm der Filmtage?
Vollmers: Es gibt eine klare Aufteilung. Die künstlerische Leitung liegt bei Linde Fröhlich, die organisatorische Leitung bei mir. Für die Programmierung gibt es ein sehr kompetentes Team, das aus der künstlerischen Leiterin und den Kuratoren der einzelnen Sektionen besteht.

LN: In den vergangenen fünf Jahren haben Sie die Filmtage mehr oder weniger von außen betrachtet. Wie hat sich das Festival entwickelt?
Vollmers:  Es ist weiter gewachsen. Es gibt mehr Filmvorführungen, mehr Rahmenveranstaltungen und auch mehr Zuschauer. Auch der Apparat ist entsprechend größer geworden.

LN: Welche Ideen haben Sie für die Weiterentwicklung des Festivals?
Vollmers:  Eine große Herausforderung ist, das junge Publikum im Blick zu haben. Mit den jungen Festivalbloggern, den Young Nordic Filmmakers und auch dem Schulkino wird schon eine Menge getan. Aber es ist schwer vorherzusagen, ob die Generation der heute 20-Jährigen, die Filme und Serien vor allem auf Netflix guckt, in zehn oder 15 Jahren ins Kino und auf Filmfestivals gehen wird. Da müssen wir dranbleiben und uns für neue Dinge öffnen.

LN: Als Filmtage-Besucher hat man das Gefühl, dass das Publikum mit dem Festival gealtert ist.
Vollmers: Eine Erhebung hat ergeben, dass unser Publikum deutlich unter dem Durchschnittsalter von Arthouse-Kino-Besuchern in Deutschland liegt. Es stimmt aber, dass wir uns noch mehr jüngere Zuschauer wünschen würden.

LN: Welche Möglichkeiten gibt es, anziehender für junge Leute zu werden?
Vollmers: Diese Frage stellt sich die gesamte Film- und Kinobranche. Die Nordischen Filmtage Lübeck zeichnen sich dadurch aus, dass sie fünf Tage lang etwas bieten, das nur hier zu erleben ist, Filme aus Skandinavien und aus dem Baltikum sowie ein Austausch mit unseren Gästen aus diesen Ländern. Das ist die Tradition des Festivals, seine Hauptattraktion und deshalb auch seine Zukunft.

LN: Ihr Favorit aus dem Filmtage-Programm 2017?
Vollmers: Der dänische Film „Der Charmeur“ des aus dem Iran stammenden Regisseurs Milad Alami. Seine Kurzfilme, die in den vergangenen Jahren in Lübeck gelaufen sind, haben mich sehr begeistert. Nun hat er seinen ersten Spielfilm gemacht, in dem es um einen jungen Iraner in Kopenhagen geht, der ganz dringend eine Frau finden muss, damit seine Aufenthaltsgenehmigung verlängert wird. Es ist ein toller Film geworden.

Zur Person

Florian Vollmers, 1973 in Hanau geboren, hat Theater- Film- und Medienwissenschaft, Soziologie und Skandinavistik studiert. Er hat die Presseabteilung der Nordischen Filmtage Lübeck geleitet, bevor er 2012 Leiter des Unabhängigen Filmfests Osnabrück wurde.

Bei den 59. Nordischen Filmtage Lübeck (1. bis 5. 11.) werden 195 Filme gezeigt. Das Programm ist ab dem 21. Oktober zu erfahren.

www.luebeck.de/filmtage

Der Kartenvorverkauf beginnt am 28. Oktober um 15 Uhr im Filmpalast Stadthalle, online über die Festival-Webseite und www.cinestar.de

 Interview: Liliane Jolitz

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