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Kultur im Norden „Ich war Rebell und Schwiegersohn“
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20:31 29.10.2013
17 Jahr‘, Pomade im Haar: Peter Kraus am Anfang seiner Sängerkarriere 1956. Quelle: Fotos: dpa

Berlin — Mit „Sugar Baby“ wurde er als Teenager berühmt, 2014, im Jahr seines 75. Geburtstags, geht der Sänger und Schauspieler Peter Kraus zum letzten Mal auf große Tournee. Am Mittwoch, 15. Oktober 2014, wird er zum letzten Mal in der Lübecker Musik- und Kongresshalle auftreten.

Lübecker Nachrichten: Herr Kraus, Sie sehen nicht aus wie 74. Wollen Sie 2014 wirklich zum letzten Mal auf große Tour gehen?

Peter Kraus: Ja, will ich. Eine Tournee ist schon sehr zeitaufwendig und intensiv, weil man doch fünf, sechs Konzerte hintereinander macht. Das lange konzentrierte Arbeiten geht schon ein bisschen auf die Substanz. Es kann natürlich schon sein, dass ich dann noch Konzerte mache.

LN: Was macht ein Peter Kraus denn, wenn er nicht mehr singt?

Kraus: Na, zum Beispiel baue ich gerade ein Weingut auf, in der Südsteiermark. Außerdem will ich mich um meine Oldtimer-Sammlung kümmern und ausgiebig fahren. Und ich freue mich auf mein Familienleben mit meinem Sohn und meiner Frau. Ich möchte einfach das ausgiebig genießen, was ich mir erarbeitet habe.

LN: Sie haben ihre Karriere früh begonnen. 1956 sind Sie schlagartig berühmt geworden. Wie war das?

Kraus: Das Problem war, dass ich über Nacht bekannt wurde, aber dem noch nicht gewachsen war. Ich musste zum Beispiel die Schauspielschule abbrechen, weil ich als Sänger Karriere machte. Und die Mädels waren plötzlich scharf auf mich, das hat sehr viel verändert.

LN: Erzählen Sie mal.

Kraus: Damals war es natürlich sehr leicht, an uns heranzukommen, weil wir nicht so gesichert waren, wie die Stars heute. Da ist man nach dem Konzert in die Garderobe gegangen und plötzlich waren da drei Mädels drin, da war nichts abgesperrt. Ein Mädel im Zimmer oben, die da von selber reingeklettert ist über den Balkon, das war nichts Außergewöhnliches.

LN: Und die weiblichen Fans heute?

Kraus: Ich sage immer: Es werden immer noch Slips auf die Bühne geworfen, sie werden nur leider immer größer. Aber das ist dann eher ein Gag. Die wissen ja, dass ich ein seriös verheirateter Mensch bin.

LN: Sie sind braver geworden?

Kraus: Das war ich früher auch schon. Das Schwierige an meiner Karriere war, dass ich auf der Bühne und in meinen Filmen zum einen der Rebell sein musste, der die Kids ein bisschen aufputscht gegen ihre Eltern. Zum anderen mussten die Eltern ja die vier Mark für die Single rausrücken. Ich war also auch der nette Schwiegersohn.

LN: Wären Sie lieber ganz Rebell gewesen?

Kraus: Eher der gute Schwiegersohn. Der echte Rock‘n‘Roller war ich nicht. Mich begeisterte nur die Musik. Ich habe auch Wert auf meine Rolle als Vorbild gelegt. Viele haben erwartet, dass so ein junger Karrieretyp ein arroganter Kotzbrocken sein muss. Ich fand es faszinierend zu zeigen, dass so jemand sich gut benehmen kann.

LN: Gab es nie Skandale?

Kraus: Das Streben der Presse danach war noch nicht so groß wie heute. Reporter wie der Kolumnist Hunter (Hannes Obermaier, von der Münchner „Abendzeitung“, d. Red), wussten zwar sehr viel, haben aber nicht drüber geschrieben. Dem Publikum hat weniger genügt. Es gab zum Beispiel schon einen Aufschrei, als ich eine Kollegin zur Begrüßung auf die Wange geküsst habe und dabei die Hand in der Hosentasche hatte.

LN: Sind Sie eitel?

Kraus: Ich würde sagen, ich bin berufseitel. Früher, als Teenageridol, musste ich ja etwas darstellen. Da habe ich viel trainiert, Box-Unterricht genommen, Muskeln aufgebaut. Ich würde auch heute noch sofort etwas dagegen tun, wenn ich einen Bauchansatz bekäme. Die Leute kommen ja nicht nur in meine Konzerte, weil ich den hohen Ton so schön singe, sondern auch, weil ich Jugendlichkeit verkörpere.

Der Teenie-Star
Peter Kraus wurde am 18. März 1939 in München als Peter Krausnecker geboren, sein Vater war Kabarettist. Als 14-Jähriger spielte er in der Verfilmung von Erich Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“ mit. Als er 1956 zum ersten Mal auf der Bühne stand, wurde er als „deutscher Elvis“ gefeiert. Seine frühen Hits waren „Tutti Frutti“, „Sugar Baby“ und „Schwarze Rose, Rosemarie“. Von 1958 bis 1964 war er in vielen Filmen zu sehen, oft gemeinsam mit Conny Froboess („Wenn die Conny mit dem Peter“, „Conny und Peter machen Musik“).

Interview: Söhnke Callsen

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