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Kultur im Norden Idyllischer Blick in einen Lübecker Altstadtgarten
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15:25 03.01.2018
1891 malte Hermann Linde die Rückansicht seines Geburtshauses.
Lübeck

Mit dem Gemälde „Schuhflicker in Cairo“ schaffte es Hermann Linde schon auf Platz sechs der Lieblingsbilder. Neben exotischen Motiven, die er auf Reisen festhielt, widmete sich der gebürtige Lübecker aber auch immer wieder seiner Heimatstadt. Sein „Lübecker Stadtgarten“ fand sowohl unter Heimischen als auch unter Besuchern großen Anklang. Sie sind immer wieder überrascht, welche grünen Oasen sich in den Hinterhöfen in der Altstadt entdecken lassen.

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Genau einen solchen Einblick gewährt uns der Maler in seinem Bild. Zu sehen sind der Garten und die rückwärtige Fassade seines Geburtshauses in der Johannisstraße, heute Dr. Julius-Leber-Straße 64. Dort betrieb sein Vater bis zum Entstehungsjahr des Bildes sein Fotoatelier. Linde malte das Bild 1891. Da war er von Reisen nach Sizilien, Ägypten und Tunesien zurückgekehrt und sollte im folgenden Jahr nach Indien aufbrechen. Seine Heimat malte er bei diesem „Zwischenstopp“ in idyllischer Abgeschlossenheit. Typisch für die Lübecker Innenstadt streckt sich das schmale Grundstück lang in die Tiefe, wo ein unerwartet großer Garten zu finden ist. Am Ende des Gartens, wohl vor dem väterlichen Fotoatelier stehend, blickte Linde auf die Giebel, Dächer und rückwärtigen Gebäudeflügel.

Das kontrastreiche Bild, das sich ihm so bot, scheint den Maler besonders interessiert zu haben: Üppige Blumenbeete, gepflegte Rasenflächen und ein Springbrunnen stehen im Vordergrund und alte und schiefe Mauern und Dächer dahinter. Auch der Farbkontrast macht die besonders malerische Note des Gemäldes aus: das Grau des Himmels und der Kontrast von Rot- und Grüntönen in Dächern und der Wiese. Zudem blieb Linde in diesem modernen Stimmungsbild auch klassischer Erzähler: Der Hund im Vordergrund und die taubenfütternde Magd rechts bieten dem Betrachter Stoff, um die Szene in einer kleinen Geschichte auszuschmücken.

Hermann Linde entstammte einer für Lübecks Kunst und Kultur wichtigen Familie. Sein Vater Hermann und der Onkel Carl Gustav waren Fotografen, der Bruder Heinrich Eduard Walther war ebenfalls Maler, und der Bruder Max ist als bedeutender Kunstsammler und Mäzen Edvard Munchs bekannt. Bei seinem Großvater, dem Maler Christian Peter Wilhelm Stolle, erhielt Hermann Linde seinen ersten Zeichenunterricht, ehe er in Dresden und Weimar Kunst studierte.

LN

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