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Ihr Großvater war der NS-Massenmörder Amon Göth

Hamburg Ihr Großvater war der NS-Massenmörder Amon Göth

Jennifer Teege verarbeitet späte Entdeckung in einem Buch.

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Autorin Jennifer Teege (43).

Quelle: Foto: dpa

Hamburg. Mit 38 Jahren entdeckt Jennifer Teege, Tochter einer Deutschen und eines Nigerianers, durch Zufall in der Zentralbibliothek ein Buch über ihre Mutter und ihren Großvater. Weil sie in einer Adoptionsfamilie aufwuchs, wusste sie bis dahin nicht: Ihr Großvater ist Amon Göth, Kommandant im Konzentrationslager Plaszow, verantwortlich für den Tod tausender Menschen.

Millionen kennen Göth als Gegenspieler des Judenretters Oskar Schindler aus Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“. Wie geht man mit so einem Familiengeheimnis um? Jennifer Teege hat darüber ein Buch geschrieben: „Amon. Mein Großvater hätte mich erschossen“.

Die Entdeckung ihrer Familiengeschichte hatte die Hamburger Werbetexterin in eine tiefe Krise gestürzt. Mit der Journalistin Nikola Sellmair recherchiert sie dann, reist nach Polen und Israel, wo Freunde von ihr leben. „Ich war mir nicht mehr sicher:

Wer bin ich? Bin ich Jennifer, oder bin ich nur noch Jennifer, die Enkelin von Amon Göth?“, sagt die 43-Jährige. Sie liest alles über ihren Großvater, was sie finden kann. „Es ist, als würde ich in ein Gruselkabinett eintreten“, schreibt sie in ihrem Buch.

Amon Göth, ab 1943 Kommandant des Konzentrationslagers Plaszow in Krakau, war für seine besondere Grausamkeit bekannt. Im Film „Schindlers Liste“ erschießt er, gespielt von Ralph Fiennes, vom Balkon seiner Villa aus Häftlinge. 1946 wurde der „Schlächter von Plaszow“ in Krakau gehängt. Jennifer Teege besucht die ehemalige Villa ihres Großvaters in Krakau, die immer noch steht, besichtigt das Schindler-Museum und das ehemalige jüdische Ghetto.

An Amon Göth, der nach dem Krieg keinerlei Reue zeigte und dessen letzte Worte „Heil Hitler“ waren, hat Jennifer Teege keine Fragen mehr. Anders ist es jedoch mit seiner Lebensgefährtin, Ruth Irene, ihrer Großmutter, bei der sie sich als kleines Mädchen so geborgen fühlte. Wie konnte sie, die mit in der Kommandeursvilla lebte, diesen Mann lieben und seine Taten bis zu ihrem Tod 1983 leugnen?

„Amon. Mein Großvater hätte mich erschossen“ von Jennifer Teege, Rowohlt , 272 Seiten, 19,95 Euro

LN

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