Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Ihr Weg zum Ruhm

Schwerin Ihr Weg zum Ruhm

Regisseur Peter Dehler und Schauspieler Thorsten Merten inszenieren in Schwerin „Fame“ — einen Jugendtraum.

Voriger Artikel
Klaußner singt — über Liebe, Trauer, Treue
Nächster Artikel
Mit der „Johannespassion“ nach China

Schwerin. Sie lernten sich an der Schauspielschule „Ernst Busch“ in Berlin kennen. Der Regisseur Peter Dehler und der Schauspieler Thorsten Merten, heute beide 52 Jahre.

Sie sind noch immer befreundet und arbeiten gemeinsam auf der Bühne. „Das ist ja irre“, sagt Dehler. Und Merten ergänzt: „Das kommt nur, weil wir uns nie mit den Frauen in die Quere kamen.“

Jetzt inszenieren Dehler und Merten gemeinsam am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin das Musical „Fame“. Gegen die Behauptung, dass damit ein Jugendtraum in Erfüllung geht, würden sie sich wehren. Aber eigentlich ist es genau das: „Fame“ — ein Traum aus der Jugend.

Am 12. November 1989, kurz vor seinem Vorsprechen an der Schauspielschule, war DDR-Bürger Dehler das erste Mal im Westen. West- Berlin. „Von meinen 100 Mark Begrüßungsgeld habe ich mir die Noten von ,Fame‘ gekauft“, sagt er. Sechs Tage später sang er bei der Aufnahmeprüfung den gefühligen Song „I sing the body electric“ aus dem Musical. „In der DDR war kurz vorher der erste Walkman auf den Markt gekommen — von Sanyo. Walkman aufsetzen, ,Fame‘ hören und an der Schauspielschule angenommen sein. Ich dachte, ich werde nie wieder ohne Kopfhörer rumlaufen.“ Glück im Doppelpack: Die Mauer fällt, die Karriere läuft an.

An der Schauspielschule läuft das Leben der Nachwuchsmimen scheinbar unbeschwert. Leben und leben lassen, lernen oder auch mal ausfallen lassen und gern mal auf Tour sein. Thorsten Merten sagt: „Ich bin ja nur wegen Peter Dehler Schauspieler geworden. Ich war wegen meines thüringischen Dialekts sprachlich so schlecht, dass ich in die Ausländerklasse kam — mit ein paar Chilenen.“ Der Mann kokettiert gern.

Dehler habe ständig freie Stücke inszeniert, die sie dann irgendwo aufgeführt hätten. Da kam Kohle rein und man habe ständig dazugelernt. Merten: „Wir waren ja viel ohne Dozenten unterwegs. Zum Beispiel haben wir am FKK-Strand von Prerow vor lauter Nackten gespielt. Das Lustige: Wir waren auch nackig, hatten aber tolle Hüte auf.“ Leider hatten die jungen Schauspielstudenten vergessen, dass man weder einem nackten Mann noch einer nackten Frau in die Tasche greifen kann. „Geld hatten die keins dabei“, so Merten. Dafür gab‘s Würstchen vom Grill.

Oder im Ural. Da haben die Berliner Studenten vor Bauarbeitern gespielt, die an der Erdgastrasse malochen mussten. Peter Dehler: „500 völlig ausgehungerte Kerle — alle mit Vollbärten und Alkoholproblemen.“ Als die Schauspieler reinkamen, brüllte der Saal: „Ausziehen! Ausziehen!“ Und erzählten die Arbeiter den jungen Leuten aus Deutschland, dass vor einer Woche ein Schlangenbeschwörer da war. Der sei so langweilig gewesen, dass sie ihm die Schlange abgestochen und gebraten hätten. Mitten im Theaterstück der Deutschen schrie einer Thorsten Merten an: „Stopp, Pause! Du spielst jetzt nicht weiter. Ich muss pinkeln.“ Anekdoten aus dem Leben zweier Künstler. Aber es geht halt nicht nur um Erinnerungsnostalgie.

„Genau darum geht es ja in dem Musical“, sagt Dehler über „Fame“: „Dass man als Schauspielstudent einfach nur glücklich ist und die Härten des Jobs nicht sieht. Diese naive Weltsicht wollen wir auf die Bühne bringen.“ Denn der Job sei noch härter geworden. So hart, sagt Dehler, „dass ich all meinen fünf Kindern davon abgeraten habe, Schauspieler zu werden“.

„Fame — Der Weg zum Ruhm“ ist ein Musical über die großen Themen des Erwachsenwerdens. Der gleichnamige Film von 1980 über einen Jahrgang an der High School of Performing Arts in New York gab das Lebensgefühl einer Generation wieder. Fast jeder erinnert sich noch auf den Tanz auf den Autos. Fast jeder kennt den Song „I sing the body electric“ mit den getragenen Streichern, den Irene Cara und Eddie Barth an der Hochschule vortragen. Es geht um Freundschaft, erste große Liebe, die Suche nach dem eigenen Weg, und es geht um jede Menge Selbstzweifel.

Dehler, der mit dieser Inszenierung seinen Abschied vom Mecklenburgischen Staatstheater gibt, wo er seit 1999 engagiert ist, sagt: „Unser Ziel ist es, tolle Musik und tolle Tanznummern auf die Bühne zu bringen, und zwischendurch wird‘s immer wieder seltsam. Wir sind dabei rauszukriegen, wie wir das umsetzen, wie viel von unserer Erfahrung wir einbringen.“

Für Thorsten Merten sei indes leider keine Rolle als jugendlicher Lover mehr herausgesprungen. „Der kann ja nicht mal Spagat in seinem Alter“, sagt Dehler. „Konnt‘ ich nie“, kontert Merten. Der Mann kokettiert halt gern.

In „Fame“ spielt Merten, der auch als NVA-Offizier in „Sonnenallee“ in Schwerin zu sehen ist, einen der Dozenten. Und er ist fürs Gemüt zuständig. Dehler sagt: „Dafür brauche ich Thorsten. Für das Emotionale. Thorsten ist so ein Tiefenforscher der Gefühle“. Und dann werfen sich die beiden alten Freunde ganz verliebte Blicke zu.

Premiere: Donnerstag, 18. Februar, 19.30 Uhr, Großes Haus Theater Schwerin

Thorsten Merten

Der Schauspieler wurde 1963 im thüringischen Ruhla geboren. Er absolvierte seine Ausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Seit 1992 tritt Merten in Schwerin auf, in „Einer flog über das Kuckucksnest“ und Produktionen mit Dehler („Die Bauern“, „Sommernachtraum“, „Sonnenallee“). Er spielte in zahlreichen Kino- und TV-Filmen mit („Nackt unter Wölfen“, „Tatort“).

Peter Dehler

Der Regisseur wurde 1963 in Leipzig geboren. In seiner Jugend spielte Dehler in der DDR-Band Knäckebrot. Er studierte an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin.

Seit 1999 ist er Schauspieldirektor am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin, nun läuft sein Vertrag aus. Er wird im Herbst an den Hamburger Kammerspielen und am Altonaer Theater inszenieren.

Michael Meyer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden