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Im Kleinen das Große hören

Im Kleinen das Große hören

Avi Avital macht einen Kuhstall in Pronstorf zur Weltbühne.

Pronstorf. Es war ein besonderer Abend im ehemaligen Kuhstall des Gutsdorfes Pronstorf. Avi Avital, den das SHMF mit dem Solistenporträt in diesem Jahr in den Fokus stellt, machte das kleine Pronstorf zu einer internationalen Bühne: Mit seinem Programm „Zwischen den Welten“ – nach seinem 2014 eingespielten, gleichnamigen Album – holte der junge Israeli die Musiken aus vieler Herren Länder unters schwere Gebälk des Kuhstalls und riss das darunter lauschende Publikum erst aus alten Hörgewohnheiten und dann von den Sitzen.

 

LN-Bild

Ein Erlebnis: Avi Avital.

Quelle: Foto: Erhardt

Es war auch ein Abschiedskonzert, das letzte dieses Programms, das Avital vor fünf Jahren begonnen hatte, um über sein Instrument, die Mandoline, die klassische Musik mit traditionellen Volksmusiken zu verbinden. „Moin, moin, ich freue mich, meine Freundin Ksenija Sidorova vorstellen zu können“, präsentierte Avital seine musikalische Begleiterin auf dem Akkordeon, bat den Percussionisten Itamar Doari auf die Bühne und erklärte: „Das war mein Deutsch“ – um dann die Musik sprechen zu lassen.

Schon im Auftakt, den von Béla Bartók für Violine und Klavier geschriebenen „Russischen Volkstänzen“, klang an, welche musikalischen Hochzeiten und Feste an diesem Abend noch zu feiern waren: vom wirbelnd sich steigernden türkischen Tanz über Barockmusik von Bach – Stücke, in denen Avital seiner Mandoline das Klangbild eines Spinetts entlockte und Sidorovas Akkordeon violinengleich sang – bis zu einem furiosen Klassik-Folk- Medley, bei dem Avi Avital sein Instrument bearbeitete wie ein Waschbrett und die Saiten springen ließ. Da hatte das Trio die sommerlichen Temperaturen im Saal bereits um einige Grad in die Höhe getrieben – und Avitals kleiner Sohn hüpfte zum Pausenapplaus klatschend und winkend auf seinem Stuhl.

Rasant, oft ausgelassen, manchmal melancholisch ging es nach der Pause weiter mit einem spannenden Crossover aus brasilianischen Rhythmen, georgischen Klängen, spanischen Liedern.

Avitals Familie war gekommen, das Publikum feierte die exzellenten Musiker, verlangte mehr. Die letzte Zugabe, eine Eigenkomposition, widmete Avital seiner Mutter: Sie feierte an diesem Abend Geburtstag. R. Ley

LN

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