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Im Sog eines Familiendramas

Kiel Im Sog eines Familiendramas

Arila Siegert bringt die Oper „Jenufa“ von Janácek in Kiel mit Schwung und Intelligenz auf die Bühne.

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Agnieska Hauzer (Mitte) als Jenufa in der gleichnamigen Janácek-Oper am Kieler Opernhaus.

Quelle: Theater Kiel

Kiel. In der Übersetzung von Max Brod hat Leoš Janáceks „Jenufa“ ihren Platz im deutschen Repertoire erobert. Wenn im Zuge der Zeit die Oper jetzt in der tschechischen Originalsprache gesungen wird — wie nun auch in Kiel —, bleibt das problematisch. Einerseits kann man nur so Janáceks musikalische Umsetzung der Sprachmelodie nachvollziehen; andererseits vermittelt die Übertitelung den Text nur ungenau. Die Sänger eignen sich die fremde Sprache oft nur akustisch an.

Ungeachtet solcher Bedenken versteht es Arila Siegert mit ihrer Kieler Inszenierung sofort, den Zuschauer in den Sog der „Jenufa“- Handlung hineinzuziehen. Die Hoffnung der schwangeren Titelheldin auf baldige Heirat mit dem leichtlebigen Kindesvater Števa zerschlägt sich. Sie bringt das Kind zur Welt, doch ihre Stiefmutter, die Küsterin, tötet den Säugling, um Jenufa vor gesellschaftlicher Ächtung zu bewahren. Sie bekennt öffentlich ihre Tat, als wahrer Schuldiger aber wird Števa entlarvt. Hat Jenufa einer Heirat mit Števas Halbbruder Laca zunächst nur notgedrungen zugestimmt, wird daraus am Ende wahre Liebe.

Den Erfolg der Kieler Aufführung sichert das Charakterprofil der vier Hauptpersonen. Bei ihrer Gestaltung der Titelrolle fühlt sich Agnieska Hauzer musikalisch hörbar am wohlsten in lyrischen Phasen.

Die Nöte der enttäuschten jungen Frau bringt sie packend, wenn auch nicht ohne schrille Töne zum Ausdruck. Als eigentlich treibende Kraft der Handlung gibt Marina Fideli der Küsterin bei aller Strenge doch auch mütterlich-weibliche Züge. Singend und tänzelnd erscheint Yoonki Baek als Števa auf der Bildfläche.

Die Mühle als Schauplatz des ersten Aktes hat Hans Dieter Schaal mit schrägem Gebälk so entworfen, dass danach eine Bauernstube daraus werden kann. Wechselnde Beleuchtung verstärkt erheblich den Stimmungsgehalt der Szenen.

Mit den Kieler Philharmonikern durchmisst Leo Siberski die ganze Schwingungsbreite von Janáceks Musik, die feinnervige Rhythmik mit herbem Grundklang verbindet. In den knappen Volksszenen des Chores spürt man am deutlichsten die Wurzel mährischer Folklore.

Nächste Vorstellungen: 17. November, 19 Uhr, 28. November, 20 Uhr.

Ewald Zickermann

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