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Kultur im Norden Immanuel Kant in Lüneburg
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18:19 30.07.2016
Kants (2. v. l. am Tisch) mittägliche Tischgesellschaften waren legendär. Das Bild ist ein Gemälde von Emil Doerstling. Quelle: Akg Pressebild

Lüneburg. Kant kam nicht bis Lüneburg. Er kam ja ohnehin kaum über die Grenzen Königsbergs hinaus. Er ist dort geboren, er hat dort studiert, gelehrt und die Welt nach Kräften aus den Angeln gehoben, er ist dort auch gestorben. Dass er nun doch in die Heide findet, hat mit einer schlechten und einer guten Nachricht zu tun.

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Die Heidestadt soll zur „Kant-Stadt“ werden – dank eines geschlossenen Museums.

Die schlechte ist die Schließung des Museums Stadt Königsberg in Duisburg. Die gute ist, dass dessen Sammlung als Dauerleihgabe komplett an das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg übergeht. In dieser Sammlung befinden sich diverse Objekte zu Immanuel Kant, 500 bis 800 von insgesamt 5000 Positionen, die umfangreichste KantSammlung weltweit. Und wenn man 2024 den 300. Geburtstag des großen Aufklärers feiert, soll er in Lüneburg in einem neuen Museumsanbau gewürdigt werden.

Duisburg ist die Partnerstadt von Königsberg, nach dem Krieg wurde dort ein Museum für die ostpreußische Metropole eingerichtet. Als das Haus wegen Raum-, Geld- und Nachwuchsmangel schließen musste, haben sich die Lüneburger um die Bestände bemüht. Drei Jahre wurde verhandelt, es wurden Mitbewerber aus dem Feld geschlagen, Mitte Juni schließlich rollten drei Lastzüge mit Anhängern aus dem Ruhrgebiet nach Norden.

Dabei kommt Kant in Lüneburg eigentlich ungelegen. Das 1987 eröffnete Museum hat gerade erst umgebaut und ist dabei, die Dauerausstellung komplett zu überarbeiten. Da fährt ihnen der „Alleszermalmer“

aus Königsberg gehörig in die Parade. Aber gegen einen Sechser im Lotto kann man sich schlecht wehren, sagt Museumsleiter Joachim Mähnert, ein promovierter Historiker.

Unter anderem gehört Kants Uhr zu dem Duisburger Erbe, für den Philosophen nicht ganz unwichtig, weil er Pünktlichkeit und einen geregelten Tagesablauf sehr schätzte. Bilder von Kant sind darunter, Erstausgaben seiner Werke, Geschirr von seinen Tischgesellschaften, auch eine Haarsträhne.

Für Philosophen sind die Duisburger Bestände wenig ergiebig. Sie interessieren in erster Linie Kants Schriften, und die sind in jeder Buchhandlung erhältlich. In Lüneburg will man denn auch eher die breite Bevölkerung erreichen. Ihr soll über die Person Immanuel Kant sein Denken nahegebracht werden und seine Aktualität, seine Bedeutung für die heutige Zeit.

Das Landesmuseum in der Innenstadt wird weiterhin eines für Ostpreußen bleiben. Aber es soll künftig einen zentralen Kant-Schwerpunkt haben. Das gewinnt deshalb an Bedeutung, weil es in Europa kein einziges Kant-Museum gibt und Lüneburg künftig als „Kant-Stadt“ von sich reden machen könnte. Momentan hat das Landesmuseum 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, in dem Kant-Anbau auf einer bestehenden Freifläche sollen weitere 800 Quadratmeter hinzukommen. Das Gelände für die viergeschossige Erweiterung gehört dem Museum, mit der Baubehörde sind grundsätzliche Fragen bereits besprochen. Jetzt muss noch die Finanzierung geklärt werden. Aber da sei man sehr zuversichtlich, sagt Joachim Mähnert. Sein Haus wird vor allem von der Bundesregierung finanziert, und Kulturstaatsministerin Monika Grütters habe jüngst bei einer Kant-Tagung in Berlin noch einmal die Bedeutung des Philosophen unterstrichen und die Notwendigkeit, ihn aus dem Elfenbeinturm zu holen.

Da fühlten sie sich in Lüneburg angesprochen, sagt der Direktor. Nach Möglichkeit solle der Anbau auch schon vor dem Kant-Jubiläum 2024 fertig sein.

Lüneburg hat 75000 Einwohner, es ist eine prosperierende Stadt mit etwa sieben Millionen Tagestouristen pro Jahr. Wenn es nach den Verantwortlichen geht, soll Kant für noch mehr sorgen, auch aus dem Ausland. An Zusammenarbeit mit Universitäten ist gedacht, nicht nur mit der örtlichen Uni Leuphana, wo gerade eine Promotionsstelle ausgeschrieben wird. Und die drittgrößte deutsche Käthe-Kollwitz- Sammlung hat Lüneburg nun auch.

Der Philosoph der Vernunft

Immanuel Kant (1724-1804) zählt zu den großen Wegbereitern dessen, was uns heute als abendländische Moderne so selbstverständlich erscheint. Er hat sich mit Erkenntnistheorie beschäftigt, mit Recht und Gesellschaft, mit der Freiheit im Zeichen der Vernunft. Was kann ich wissen?, Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? – das waren die Fragen, um die sein Denken kreiste und auf die er bis heute gültige Antworten gab. Aufklärung definiert er als „ Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“.

Peter Intelmann

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