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Kultur im Norden „Immer wieder Skulptur“, sagt Bettina Thierig
Nachrichten Kultur Kultur im Norden „Immer wieder Skulptur“, sagt Bettina Thierig
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18:10 06.01.2018

Wenn ich, die Wucht der eingefrorenen Bewegung spürend, den Atem anhalte: der Sankt Jürgen in der Katharinenkirche meidet die Augen des Drachens, schaut seltsam unbeteiligt an den suchenden Blicken der Bestie vorbei. Schaut über ihn hinweg, als könne allein der Blick, gleich dem Medusenhaupt, ihm Schaden zufügen und ihn zu Stein werden lassen. Er holt aus, um den letzten vernichtenden Schlag zu führen, gegen das schon zu Boden geworfene Tier. Der Drache des Bernt Notke, dessen künstliche Kreatürlichkeit gesteigert wird durch echte Natur, durch die Elchgeweihe, die als Stacheln eingefügt sind, deren organische, asymmetrische Verläufe die Gefährlichkeit und Willkür der natürlichen Welt bedeuten.

Wenn ich nach einem langen Kinotag der Nordischen Filmtage spätnachts die Mühlenstraße überquere, voll mit Bildern und Gefühlen aus den gesehenen Filmen in die Wallstraße gehe, dort den Weg zum Mühlenteich einschlage und über die vom Mond erhellte Wasserfläche blicke, in der sich der Dom ganz vollständig spiegelt, als hätte er eine geheime unterirdische Fortsetzung.

Wenn ich durch die Räume des Burgklosters gehe und die seltsamen Zeichen aus einer anderen Welt wieder finde, ein zweifach geknickter Vogel, der sich über die Ecke einer Nische bewegt, fröhliche steinerne Kugeln, die das strenge geometrische Muster der gotischen Bögen schmücken und ein bisschen zu necken scheinen und dann, die in dem langerstreckten Raum als einzige einsame Bewohner verbliebenen steinernen Mönche. Ihre leicht geschwungene Gestalten, die eine zurückhaltende Dynamik zeigen, die mich anrührt und die etwas haben, was über die Kulturen hinauszugehen scheint.

Haben nicht frühe chinesische Porzellanfiguren ganz ähnliche Haltungen und schauen ihre Hände nicht fast genauso aus den überhängenden Gewandfalten der Ärmel?

Wenn ich mit der Skulpturen-Ausstellung meines Projektes KunstBetriebe3 im September 2019 wieder an eine herausragende Stelle in Lübeck gehen kann, in die Kunsthalle St. Annen, an der genau das passiert, dass Altes durch Heutiges ergänzt wird, dass beides benutzt und belebt wird, dass diese Stadt weiterleben kann, weil die heutige Kunst und Kultur die historische Architektur mit Leben füllt.

Was mich begeistert – immer wieder Skulptur, weil für mich Skulptur die Möglichkeit hat, uns ganz umfassend zu berühren.

LN

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