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Kultur im Norden In Kälte und Nässe: Tönendes Recycling
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18:12 12.08.2016

Es gibt gute Gründe, warum Konzerte üblicherweise in geschlossenen Räumen stattfinden. Die wichtigsten: Akustik, Temperatur, Trockenheit. Beim Freiluft- Auftritt des Glas-Blas-Sing-Quintetts am Nordstrand von Dahme hatte es kaum zehn Grad, es nieselte, und der Wind machte die Musik – er spielte mit den Regencapes von 100 Zuhörern. Vielleicht waren es auch 200, alle bis auf die Augenschlitze mit raschelnder Folie vermummt. Ein Glück, dass es noch kein Burkaverbot im Land gibt.

Womit wir auf dem Witzniveau der Veranstaltung angekommen wären. Das Quintett begrüßte das Publikum mit den Worten: „Ist doch schön, wenn die Hitze des Tages nachlässt.“ Zynisch. Machen Sie sich, liebe Leser, auf einen schlecht gelaunten Bericht gefasst.

Das Glas-Blas-Sing-Quintett hat eine Kunst zur Perfektion entwickelt, die man eher als pfiffiges Handwerk bezeichnen möchte. Oder Mundwerk. Auf leeren Flaschen, gläsernen und solchen aus Polyethylenterephthalat (PET), blasen sie zur Eröffnung einige Harmonien, aus denen sich das Thema des Soundtracks zu „Mission Impossible“ von Lalo Schifrin in einer Sparversion herausschält.

Sie haben nicht nur das Recycling von Sekundärrohstoffen wie „Popcorn“ von Gershon Kingsley, mit Daumen geploppt auf Flaschenhälsen, im Programm. Es gibt auch Eigenkreationen wie das Lied „Fragen“.

Diese wirft Quintett-Anführer Andreas Lubert auf, und sie gipfeln in dem originellen Gedanken: „Warum nimmt man den Rotstift, wenn man wieder schwarze Zahlen schreiben will?“ Aus Doofheit?

Sie singen ganz passabel und klöppeln rhythmussicher auf allerlei Hohlkörpern. Aber, mal ganz naiv gefragt, warum soll man sich die mundgeblasenen Takte aus „Bohemian Rhapsody“ antun, wenn man auf Youtube auch Freddy Mercurys Jahrhundertstimme aufrufen kann? Die Antwort ist, wie so oft bei ambitionierten Dilettanten: weil sie es zumindest so gut können, dass man das Vorbild erkennt.

Da sitzt man nun auf nassem Hintern und lässt schale Späße über sich ergehen. Wenn zum Beispiel „der Peter“ „All Schock Up“ intoniert, dann hat man den – gerundet – Zehnmillionsten Elvis-Imitator vor sich. Sie sind seit 13 Jahren mit ihren Flaschen unterwegs, und es hätte nicht des SHMF bedurft, um sie dem Publikum zu präsentieren. Sie sind oft und landesweit auf den Kleinkunstbühnen zu erleben.

Warum nur sind diese 100, vielleicht auch 200 Leute die ganze Zeit am Strand von Dahme dabeigeblieben? Es muss ihnen wohl Spaß gemacht haben. Rätselhaft.

mib

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