Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
In Ruhe gereift

Lübeck In Ruhe gereift

Wie lange dürfen Fehler und Peinlichkeiten eigentlich an einem kleben? Ziemlich lange, wenn man Sarah Connor heißt und neben einer großartigen Stimme über ...

Voriger Artikel
Tag der Archive: Führungen und Premieren
Nächster Artikel
„Kunst inspiriert mich“, sagt Uschi Cravillon-Werner

Deutsche Texte sind direkter, intensiver. Man kann sich ihnen nicht entziehen.“Sarah Connor

Lübeck. W ie lange dürfen Fehler und Peinlichkeiten eigentlich an einem kleben? Ziemlich lange, wenn man Sarah Connor heißt und neben einer großartigen Stimme über das zweifelhafte Talent verfügt, mehr als einmal ein bisschen daneben gelegen zu haben. Weil einem etwa ein Buchstabe beim öffentlichen Singen der Nationalhymne verrutscht war, die Kleiderwahl nicht immer ganz glücklich gelang oder man, warum auch immer, das private Liebesglück unbedingt in einer TV-Doku öffentlich zelebrieren musste. Gefolgt von einer wenig glamourösen Scheidung.

LN-Bild

Wie lange dürfen Fehler und Peinlichkeiten eigentlich an einem kleben? Ziemlich lange, wenn man Sarah Connor heißt und neben einer großartigen Stimme über ...

Zur Bildergalerie

Sarah Connor hat ihre alten Sünden sehr lange hinter sich hergezogen. Sie hafteten an ihren Sohlen, ob sie nun High Heels trug oder Turnschuhe. Deutschlands erfolgreichste Popdiva hatte sich während der ersten zehn Jahre ihrer Karriere ein Image zugelegt, das wie für die Regenbogenpresse geschaffen schien und das ihre Stimme und ihre musikalische Kraft langsam zu ersticken schien. Dann wurde es still um die Sängerin.

Jetzt aber hat sich Sarah Connor zurückgemeldet und im Mai 2015 mit ihrem neunten Studioalbum „Muttersprache“ ein nicht zu überhörendes Comeback hingelegt. Es ist ihr erstes Album in deutscher Sprache — ein Risiko durchaus, nach fünf Jahren kreativer Pause und einer Karriere, die bis dahin ausschließlich auf englischsprachigen Hits basierte, nun einen solchen Kurswechsel zu vollziehen, aber es ist geglückt. „Muttersprache“ stieg schnurstracks auf Platz 1 der deutschen Albumcharts und hat inzwischen Platin-Status erreicht; und für die erste Single Auskopplung „Wie schön du bist“

gab‘s Gold. Es ist ihr persönlichstes Album, erarbeitet und produziert mit dem ehemaligen Team hinter „Rosenstolz“, Peter Plate, Ulf Sommer und Daniel Faust.

Sarah Connor, das stets ein wenig irrlichternde Popsternchen aus Delmenhorst, scheint nach der Trennung von Marc Terenzi, mit ihrem Umzug nach Berlin und neuer Liebe zu Manager Florian Fischer bei sich angekommen zu sein. Auf der Bühne der Hamburger Barclaycard Arena erlebt das — übrigens erstaunlich textsichere — Publikum, das wirklich jede Zeile ihrer deutschen Texte mitsingen kann, eine Sängerin, die nicht sich oder eine große Bühnenshow inszeniert, sondern ihre Songs und ihre Stimme mit unglaublich viel Gefühl und Brillanz für sich sprechen lässt. Und dabei ganz bei sich ist, getragen auch von einer Band exzellenter Musiker und ihren Backgroundsängerinnen.

Mit Hut, Fransenlederjacke und Glitzerboots kommt sie auf die Bühne, ganz in schwarz, und ihr erstes Stück „Anorak“ ist auch eine Ansage: „Ich fang von vorne an/denn ich bin stark und ich weiß, dass ich‘s schaffen kann.“ Sie präsentiert fast alle Songs des neuen Albums, macht mit einem Medley früherer englischsprachiger Hits eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit und zeigt mit jazzig interpretierten Coversongs von Michael Jackson, dass sie sich auch in anderen Genres zu Hause fühlt.

Sarah Connor probiert sich aus, das hat sie immer schon getan, und manchmal eben auch mit vollem Risiko. Diesmal hat sie sich Zeit genommen, Zeit zum Reifen. Eine Initialzündung für ihr gelungenes Comeback aber war ihre Teilnahme am Tauschkonzert-Format „Sing meinen Song“ des Senders Vox. Dabei hat sie 2014 mit Gregor Meyles „Keine(r) ist wie du“ erstmals einen deutschen Song gecovert — und die Möglichkeiten ihrer „Muttersprache“ für sich entdeckt.

Sarah Connor

Deutsch sei ihre Muttersprache, Englisch ihre Vatersprache, sagt Sarah Connor. Die 35-jährige Popsängerin ist die Tochter eines Amerikaners und einer Deutschen, zweisprachig aufgewachsen und in beiden Sprachen zu Hause. Bis zu ihrem Album „Muttersprache“ produzierte sie ihre Songs ausschließlich auf Englisch. Schon früh zeigte sie musikalisches Talent, sang in einem Gospelchor, belegte im Gymnasium das Schwerpunktfach Musik und nahm Unterricht in Tanz, Theater und Klavier.

2001 schaffte sie mit der Single „Let‘s get back to Bed — Boy!“ den Durchbruch, ihr Debüt-Album „Green Eyed Soul“ wurde dreifach mit Gold ausgezeichnet. Seitdem hat sich Sarah Connor mit mehreren Nummer-1-Hits und mehr als sieben Millionen verkauften Tonträgern zu einer der erfolgreichsten deutschen Sängerinnen entwickelt.

Sarah Connor lebt mit ihren drei Kindern und Lebenspartner und Manager Florian Fischer seit 6 Jahren in Berlin.

Von Regine Ley

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden