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Kultur im Norden „In Schweden gibt es hohe Klassenschranken“
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19:12 01.11.2017
Rojda Sekersöz

Die schwedische Regisseurin Rojda Sekersöz eröffnete gestern mit ihrem Film „Träum’ weiter“ die Nordischen Filmtage. Die LN sprachen mit ihr über ihren ersten Spielfilm.

Frau Sekersöz, Ihr Film handelt von vier jungen Frauen, die in einer Stockholmer Vorstadt ein ziemlich tristes Leben führen. Gibt es dort viele junge Menschen ohne Perspektive?

Ja, die gibt es wirklich. In den armen Vierteln von Stockholm liegt die Lebenserwartung auch 15 Jahre unter der in den besseren Vierteln.

Drei der jungen Frauen haben einen Migrationshintergrund – ist das ein Problem in Schweden?

Das ist es wirklich, es gibt wenig Aufstiegschancen für Moslems oder Menschen mit dunkler Hautfarbe. Das galt früher für die Immigranten aus Finnland, die Mutter meiner Hauptfigur habe ich deshalb als finnische Emigrantin angelegt. Rassismus ist eine schlechte Tradition in Schweden.

Ist das Leben in der Vorstadt wirklich so trist, wie Sie es zeigen?

Nicht immer, ich bin selbst dort aufgewachsen und habe das Viertel nicht als unangenehm empfunden. Aber es gibt bessere Gegenden.

Ihr Film ist also auch ein Werk über den Streit der Kulturen?

Es ist mehr ein Streit der Klassen. Die Klassenschranken in Schweden sind sehr hoch, das widerspricht dem Ansehen Schwedens in der Welt.

Ihr Film zeigt die enge Freundschaft der vier Frauen. Was bedeutet Freundschaft für Sie?

Sehr viel. Freundschaft heißt für mich Loyalität, Ehrlichkeit und Liebe, das spielt eine große Rolle in meinem Leben. Ebenso wie Musik, der Soundtrack eines Films ist für mich so wichtig wie die Bilder.

Was ist Ihr nächstes Filmprojekt?

Wir beginnen im kommenden Jahr mit einer Drama-Komödie über die Missverständnisse zwischen Kindern und Eltern. Es wird meine erste Romanverfilmung.

Interview: Jürgen Feldhoff

LN

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