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Inklusion auf Wismarer Festspiel-Bühne

Wismar Inklusion auf Wismarer Festspiel-Bühne

Menschen mit Behinderungen spielen bei „Faust“ in der St.-Georgen-Kirche mit.

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Jetzt schon ein Team: Hauptdarsteller Sascha Gluth mit den „Charakterköpfen“, die als Mitarbeiter der Wismarer Werkstätten mit auf der Bühne stehen werden, dazu Sozialpädagogin Helga Treutler (2. v. r.) als Leiterin der Laientheatergruppe.

Quelle: Nicole Hollatz

Wismar. Inklusion ganz praktisch: Beim großen Faust-Spektakel der Wismarer Festspiele in St. Georgen werden im Sommer Menschen mit Behinderungen mit auf der Bühne stehen — Mitarbeiter der Wismarer Werkstätten. „Wir freuen uns riesig, dass die Festspiele Menschen mit Behinderungen im Blick haben und mit einbeziehen in die Aufführungen. Das ist ein Indiz dafür, dass die Menschen mit Behinderungen mehr und mehr in der Mitte der Gesellschaft ankommen, dass sie eine Bühne erhalten im wahrsten Sinne des Wortes und zeigen dürfen, was sie können“, freut sich Thilo Werfel als einer der Geschäftsführer der Wismarer Werkstätten.

Inklusion auf der Bühne, das gemeinsame Spiel, die Verständigung in beide Richtungen — zwischen den Akteuren und dem Publikum. Das Modellprojekt ist ein logischer Schritt nach einer ersten „Jedermann“-Aufführung in einer Version auch für Menschen mit Hör- und Sehbehinderung.

Regisseur Holger Mahlich und Produktionsleiter Andreas Conrad und ihr Team um Hauptdarsteller Sascha Gluth sind begeistert von der Kooperation. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wismarer Werkstätten haben schon beim ,Jedermann‘ geholfen, sie haben Teile des Bühnenbildes und Dekoration für uns gebaut“, sagt Holger Mahlich. Er weiß, mit wie viel Herzblut die Menschen agieren. „Das ist für mich das Wichtigste, wenn Menschen mit dem Herzen dabei sind“, erzählt er vom ersten Kennenlern-Treffen mit den Mitgliedern der Schauspielgruppe der Werkstätten. Fünf von ihnen werden als Darsteller auf der Bühne stehen. „Insbesondere in den Szenen Dom, Walpurgisnacht, Valentins Tod und Osterspaziergang“, so Mahlich weiter.

Theater hat in den 25 Jahren der Wismarer Werkstätten — 2016 ist das Jubiläumsjahr — Tradition. Viele Wismarer erinnern sich an die Theatergruppe „Die Trotzburger“. Mit der Sozialpädagogin Helga Treutler aus Schwerin und dem neuen Namen „Charakterköpfe“ konnte die Tradition neu belebt werden. So hatten die Darsteller beim inklusiven Theaterfestival in Schwerin und Rostock erste Auftritte.

Ab Mai beginnen für die Profis die Proben für den Wismarer „Faust“. „Gemeinsam werden wir für eine Woche intensiv in Berlin proben, dann folgt vor der Premiere die Woche der Endproben in Wismar“, erklärt Andreas Conrad. Immer dabei: die fünf „Charakterköpfe“ aus Wismar. Thilo Werfel: „Das wird eine große Herausforderung für uns alle. Beispielsweise muss die Begleitung der Mitarbeiter sichergestellt werden, auch die Freistellung von ihrer normalen Arbeit während der Probenzeit und an den Tagen der Aufführungen.“

Andreas Conrad: „Wir wollen mit unserem ,Faust‘ Maßstäbe für Inklusion setzen, so etwas gab es in dieser Größe noch nicht in Deutschland.“

Zwei Stücke in St. Georgen
„Faust“ und „Jedermann“ werden in diesem Jahr bei den Festspielen Wismar in St. Georgen aufgeführt. „Faust“ hat am 7. Juli Premiere. Vom 28. Juli bis 7. August folgt der „Jedermann“.

• Internet:
festspiele-wismar.de

Nicole Hollatz

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