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Inspiration aus der Stille der Provinz

Plüschow Inspiration aus der Stille der Provinz

Junge Stipendiaten aus aller Welt arbeiten für drei Monate im Künstlerhaus Plüschow. Am Sonnabend öffnen sie ihre Ateliers.

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Sunette Viljoen, Hyojun Hyun, Miro Zahra, Eun Jung Sim und Lucy König (v.l.) vor einem Bild von Andreas Werner.

Quelle: Petra Haase

Plüschow. Auf dem Tisch liegt ein schwarzes Notizbuch, rechts daneben sind Bleistift, Radiergummi und ein kleines Glas angeordnet. Es sind Requisiten für das Kunstprojekt von Eun Jung Sim, die in Busan, einer Drei-Millionen-Metropole in Südkorea, Kunst studiert und große Skulpturen realisiert hat und derzeit im beschaulichen Dorf Plüschow in Nordwestmecklenburg lebt und arbeitet.

LN-Bild

Junge Stipendiaten aus aller Welt arbeiten für drei Monate im Künstlerhaus Plüschow. Heute öffnen sie ihre Ateliers.

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Sie ist eines von fünf Nachwuchstalenten, die ein dreimonatiges Stipendium im Künstlerhaus ergattert haben und heute der Öffentlichkeit präsentieren, woran sie arbeiten.

Eun Jung Sim bittet Menschen, kurze persönliche Erinnerungen aufzuschreiben, diese dann wieder auszuradieren und die Schnipsel in das Glas zu schütten. Dabei filmt sie die Einträge. 20 Koreaner und einige freiwillige Deutsche haben sich auf diese Weise schon verewigt, das Langzeitprojekt soll an anderen Orten fortgesetzt werden. „Ich hoffe, diese Arbeit wird die Teilnehmer, die Besucher und mich verbinden“, sagt Eun Jung Sim.

Die Ambitionen und künstlerischen Ausdrucksformen der Stipendiaten aus Südkorea, Südafrika, Deutschland und Österreich sind zwar sehr unterschiedlich, doch sie eint die innovative und offene Arbeitsweise. „Dieses Kriterium war uns bei der Auswahl sehr wichtig. Wir erhoffen uns davon, dass die Künstlerinnen und Künstler sich auf die gegebene Situation gut einlassen können und dass Synergieeffekte während des Aufenthaltes entstehen“, sagt Künstlerhaus-Chefin Miro Zahra, die zusammen mit einer Jury die Stipendiaten auswählte.

Von Oktober bis Dezember lebt die internationale kleine Künstler-Familie im Schloss inmitten von Stille und herbstlich-grauer Landschaft. Es gibt keine Einkaufsmöglichkeit im Dorf, immerhin eine Zuganbindung. Doch gerade diese Abgeschiedenheit macht für viele junge Künstler den Reiz des Ortes aus. Lucy König aus Leipzig, die mit Textilien und Naturmaterial arbeitet, hat sich in Plüschow beworben, „weil ich neugierig darauf war, wie das dörfliche Leben sich auf meine Arbeit auswirkt“. Ein Blick in ihr Atelier zeigt: Das Landleben spiegelt sich direkt in ihren Objekten wider. Lucy König nahm Kontakt zu den Besitzern der benachbarten Alpaka-Farm auf, erhielt zwei Säcke Wolle, hat diese gewaschen, kardiert und zu Installationen recycelt. Außerdem freut sie sich darauf, die hauseigene Radierwerkstatt zu nutzen.

Über Ruhe und Platz in den geräumigen Wohn- und Arbeitszimmern des Schlosses freut sich auch Hyujon Hyun aus Südkorea, der in Glasgow und Maastricht studiert hat und in Berlin lebt. In Plüschow sucht der junge Maler Inspiration und arbeitet an angefangenen Entwürfen weiter. Eine Rückkehr zur Malerei stellt Miro Zahra bei mehreren Künstlern in diesem Jahr fest. Auch Andreas Werner experimentiert mit Zeichnungen und großformatigen Bildern, die in Plüschow um neue Schichten erweitert werden und in ihrer Struktur und Farbigkeit in den hohen hellen Räumen eine intensive Wirkung entfalten.

Eher kleinformatig arbeitet die Südafrikanerin Sunette Viljoen: auf einer Art Gipskachel hält sie, wie in einem Zeitfenster, Motive und Ornamente aus der Geschichte des Schlosses Plüschow fest.

Auf welche Art auch immer sich die Stipendiaten ausdrücken: Spannend ist es allemal, wie junge Menschen aus aller Welt sich von einem Ort in Mecklenburg inspirieren lassen.

Tag der offenen Tür

Um 15 Uhr eröffnet Miro Zahra heute den Tag der offenen Tür, danach kann man das Schloss und die Ateliers der jungen Künstler besuchen. Die Schlossklause bietet kleine Speisen und Getränke.

Um 18 Uhr ist der Fotojournalist Timo Vogt zu Gast, der in Krisengebieten arbeitet. Er berichtet in Wort und Bild von Reisen zwischen 2012 und 2014 in das zunächst revolutionäre und später dann das vom Bürgerkrieg erschütterte Syrien.

Plüschow liegt etwa fünf Autominuten entfernt von der Autobahn A 20, Abfahrt Grevesmühlen.

Weitere Infos: www.plueschow.de

 Petra Haase

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