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Integration – wie wir das schaffen können

Berlin Integration – wie wir das schaffen können

Das Wissenschaftler-Ehepaar Herfried und Marina Münkler geben in ihrem Buch über „Die neuen Deutschen“ Leitlinien.

Berlin. Was bedeutet gelungene Integration? Auf das Grundgesetz schwören? Als muslimische Frau das Kopftuch ablegen? Wenige Themen werden zurzeit so heftig diskutiert wie die Frage, wie sich die vielen Neuankömmlinge in die deutsche Gesellschaft einfügen lassen. „Die neuen Deutschen“ heißt das Buch des renommierten Berliner Politikwissenschaftlers Herfried Münkler und seiner Frau Marina, die vor allem zu interkulturellen Themen forscht. In dem Gemeinschaftswerk des Paares geht es um die Gestaltung der deutschen Einwanderungsgesellschaft.

 

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Herfried Münkler, Professor für Politikwissenschaft.

Quelle: Tobias Bohm
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Marina Münkler, Literatur-Professorin an der TU Dresden.

Quelle: Rowohlt
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Herfried Münkler, Professor für Politikwissenschaft.

Quelle: Tobias Bohm
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Marina Münkler, Literatur-Professorin an der TU Dresden.

Quelle: Rowohlt

Zunächst blicken die Autoren auf das Jahr 2015, die umstrittene Grenzöffnung und die Maßnahmen zum Schutz der Schengen-Grenze zurück. Kanzlerin Angela Merkel habe durch ihr entschlossenes und umsichtiges Handeln die „Ehre Europas“ gerettet.

Noch spannender sind die Ausführungen zum Thema Einwanderung. Einwanderung, so die Grundthese der beiden Wissenschaftler, ist für die westlichen Staaten aus demographischen und ökonomischen Gründen unabdingbar. Sie ist sogar ein „struktureller Bestandteil der Erneuerung“ geworden.

Das deutsche Integrationsmodell bezeichnen die Autoren dabei als „naturwüchsig“, das heißt, es lag ihm nie ein genauer Plan und auch keine politisch-kulturelle Werthaltung zugrunde, vielmehr reagierte es auf die Anforderungen des Augenblicks. Trotz dieser relativen Konzeptlosigkeit habe sich das deutsche Modell als „erstaunlich leistungsfähig“ erwiesen. Es seien aber auch schwere Fehler gemacht worden, aus denen man lernen müsse.

Wichtigste Forderung der beiden Wissenschaftler ist die schnelle Integration von Neuankömmlingen in den Arbeitsmarkt und überhaupt alles zu vermeiden, was Passivität und damit ein mögliches Abgleiten in die Sozialhilfe fördert. Hauptkritikpunkte sind deshalb die langen Wartezeiten bei den Asylanträgen, die selektive Zuteilung von Integrations- und Sprachkursen nach Herkunftsländern und damit der Ausschluss bestimmter Asylbewerberguppen.

Der Verweis auf die religiöse Identität als angebliches Integrationshindernis von Muslimen diene auch der Selbstentlastung der Deutschen. So brauche man sich über soziale Fehlentwicklungen, die man hingenommen oder sogar indirekt gefördert habe, keine Gedanken zu machen. Doch nicht der Islam, sondern das soziale Scheitern stehe in der Regel am Anfang problematischer Zuwanderer-Karrieren.

Insgesamt wünschen sich die Autoren mehr positive Motivation für Zuwanderer: Gratifikation statt Sanktion. Statt Drohkulisse eine Belohnungskultur. Integration, so zeigt dieses Buch, braucht einen langen Atem und Geduld.

Stimmungsmache und Hetze sind ihr größter Feind. Dieses Buch könnte für die Politik ein hervorragender Kompass sein.

„Die neuen Deutschen. Ein Land vor seiner Zukunft“ von Herfried und Marina Münkler, Rowohlt Verlag, 334 Seiten. 19,95 Euro.

Sibylle Peine

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