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Kultur im Norden „Immer in Bewegung bleiben“
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15:29 10.10.2018
„Man weiß, und dass man mit sehr wenigen Dingen sehr glücklich werden kann“: Hardy Krüger jr.. Quelle: HFR
Lübeck

Hardy Krüger jr. (50) ist Schauspieler („Forsthaus Falkenau“, „Stauffenberg“) – wie sein Vater. Und wie dieser schreibt er auch. „Der leise Ruf des Schmetterlings“ heißt sein in diesem Jahr erschienenes erstes Buch. Am Montag, 15. Oktober, liest er daraus in der Trinkkurhalle in Timmendorfer Strand (19.30 Uhr). 2011 traf ihn mit dem Tod seines acht Monate alten Sohnes ein schwerer Schicksalsschlag.

Wie schwer ist es, über den Tod des eigenen Sohnes zu schreiben?

Es gibt Menschen, die können nicht darüber reden. Und es gibt andere, denen hilft es sehr. Ich gehöre zu jenen, die dieses Thema ansprechen möchten, weil es viele betrifft. Ich bin ja auch Schirmherr einer Organisation in Hamburg für verwaiste Eltern und Geschwister und betreue dort Menschen, die ein Kind, einen Bruder oder eine Schwester verloren haben. Für mich ist das sehr wichtig, um die Situation aufzuarbeiten.

Dabei war ein Buch eigentlich gar nicht geplant.

Ich habe auf meinem Blog eine Kolumne geschrieben, und eine Geschichte ist dabei so durch die Decke gegangen, dass ich sie immer weiter erzählen musste. Als sie zu Ende war, habe ich Figuren dazu erfunden, die Geschichte weitergedreht, und dabei ist sie immer mehr zu meiner eigenen geworden. Durch das Schreiben habe ich eine ganz andere Perspektive bekommen und Dinge erkannt, die ich vorher nicht gesehen hatte.

Das Schreiben als Therapie?

Absolut. Für mich war es eine Reise durch mein Leben, sehr interessant und sehr aufschlussreich. Ich sehe heute nach Beendigung des Buches vieles völlig anders und habe mit vielen Dingen in meinem Leben Frieden gefunden.

Die Hauptperson in Ihrem Buch hat ein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater. Sie auch?

Jede Figur in dem Buch ist ein Teil von mir. Ich habe allen gewisse Erfahrungen gegeben, die ich selber gemacht habe, und sie dann miteinander konfrontiert. Es geht um Themen, die uns alle beschäftigen: Verlust, Trauer, Loslassen, das Mutter-Vater-Thema – das ist ja im Menschen ganz fest verankert. Aber viele tragen es ihr Leben lang mit sich herum, ohne sich dem zu stellen. Ich habe einfach versucht, eine neue Perspektive zu finden, wie man auf die Eltern zugehen kann.

Hat Ihr Vater das Buch gelesen?

Das müssen Sie ihn fragen. Ich weiß nicht, ob er es gelesen hat. Wir sehen uns nicht sehr häufig.

Könnten Sie sich vorstellen, künftig nur noch zu schreiben?

Wir arbeiten an neuen Projekten, es war nicht das letzte Buch von mir. Aber ob ich es ausschließlich machen würde? Ich glaube, ich brauche die verschiedenen Impulse in meinem Leben. Ich kann nicht nur eine Sache machen. Ich kann auch nicht nur an einem Ort leben. Ich muss immer in Bewegung bleiben. Ob ich fotografiere, male, schreibe, spiele – ich glaube, ich habe einfach das Bedürfnis, mich auszudrücken. Aber das Schreiben gefällt mir schon sehr. Mit dem ersten Buch gleich in der Schweiz auf der Bestsellerliste zu landen, das ist ganz ordentlich. Und bei den Lesungen gibt es tolle Gespräche. Das freut mich sehr, gerade weil es sich um eine so persönliche Geschichte handelt.

Sie haben das zweite Buch schon in Arbeit. Wird es eine Fortsetzung des ersten?

Es wird eine Fortsetzung kommen, aber es hat sich jetzt noch eine andere Möglichkeit ergeben, und darauf werde ich mich konzentrieren. Außerdem wird mein Blog zu einem Magazin gemacht, und das hat auch erst mal Priorität.

Sie trinken seit ein paar Jahren nichts mehr, sie haben gerade neu geheiratet – haben Sie ein völlig neues Leben begonnen?

Ja. Ich habe mich ein paar Jahre zurückgezogen, um kreativ zu sein und neue Wege zu gehen. Das habe ich sehr, sehr gebraucht und dann beschlossen, mein Leben komplett umzustellen. Außerdem bin ich 50 geworden, und das ist ja auch ein Moment, in dem man sagt: Jetzt erst recht. Jetzt fängt man an, so zu leben, wie man es gerne möchte. Man weiß, wie es nicht funktioniert und dass man mit sehr wenigen Dingen sehr glücklich werden kann.

Peter Intelmann

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