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Iranischer Musiker nimmt Pöbelei im Kölner Konzertsaal gelassen

Köln Iranischer Musiker nimmt Pöbelei im Kölner Konzertsaal gelassen

Ist es Ausdruck einer neuen Fremdenfeindlichkeit oder einer Verrohung der Sitten im Konzertsaal? Der erzwungene Abbruch eines Musikstücks in der Kölner Philharmonie hat jedenfalls eine intensive Debatte ausgelöst.

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Mahan Esfahani bei einem Konzert in London.

Quelle: imago

Köln. Trotz heftiger Reaktionen des Publikums will der iranische Musiker Mahan Esfahani bald nach Köln zurückkommen. „Klar“, sagte der in Großbritannien lebende Cembalist dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Mittwoch). „Im April bin ich für Aufnahmen beim Deutschlandfunk in der Stadt.“ Und im März nächsten Jahres werde er in der Philharmonie jenes Stück noch einmal spielen, das er dort nun habe abbrechen müssen. Das bestätigte auch die Philharmonie.

Esfahani hatte mit dem Stück „Piano Phase“ von Steve Reich aus den 60er Jahren aufgehört, nachdem viele der 1800 Zuhörer mittendrin geklatscht oder auch gelacht und dazwischengerufen hatten. „Wovor haben Sie Angst?“, fragte er das Publikum auf Englisch. Darauf erntete er Zurufe wie: „Sprich Deutsch!“

In den sozialen Netzwerken wurde der Vorfall intensiv diskutiert. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob die Pöbelei im Konzertsaal Ausdruck einer neuen Fremdenfeindlichkeit sei. Esfahani selbst brachte die aufgebrachten Reaktionen in einer Stellungnahme für die Klassik-Website Slipped Disc nicht mit Rassismus in Verbindung. Nachvollziehen kann er den Ärger allerdings nicht: Die Komposition von Reich sei nun wirklich keine Avantgarde, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Der Geschäftsführer des Konzertveranstalters Concerto Köln, Jochen Schäfsmeier, wollte am Mittwoch ebenfalls nicht von Rassismus sprechen, sagte jedoch: „Es war aber natürlich ein hohes Maß an Intoleranz oder auch vielleicht an Feindlichkeit gegenüber Fremdem, wobei das jetzt eher das Stück war als der iranische Musiker.“

Philharmonie-Sprecher Sebastian Loelgen sagte, die anderen, mehrheitlich klassischen Stücke seien sehr gut angekommen, am Ende habe Esfahani sogar Zugaben gegeben. Man dürfe auch nicht vergessen, dass das Konzert am Sonntagnachmittag gewesen sei - da erwarte ein überwiegend älteres Publikum eher Klassisches und Leichtes. Eine gewisse „Verrohung“ sei aber ohne Zweifel zu konstatieren.

Esfahani setzte das Konzert mit den anderen angekündigten Stücken fort. Am Ende ging ein Konzertgast nach vorne, ließ sich ein Mikrofon geben und entschuldigte sich auf Englisch für das Verhalten des Publikums. Dafür habe er starken Beifall erhalten, sagte Schäfsmeier. Kurioserweise hätten einige ältere Konzertbesucher, die selbst zu den Störern gehört hätten, dabei ebenfalls geklatscht.

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