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18:12 07.07.2017
Vier Stunden täglich probt Maximilian Biebl – morgen ist der 14-Jährige aus Ahrensburg in der Musikschule der Gemeinnützigen zu erleben. Quelle: Foto: Felix König

Lübeck. Man kennt das von David Garrett. Wo immer der Violinen- Popstar auftaucht, ist der Geigenkasten in seinem Arm. Das mag zum einen wirklich Sorge um das teure Instrument sein, aber sicherlich auch Attitüde. Nun hat Maximilian Biebl keine millionenschwere Stradivari (allerdings ist seine Geige extra für ihn in Spanien gebaut worden), und er rollt beim Namen Garrett mit den Augen (sein Vorbild ist Pinchas Zukerman). Aber seine Violine hat Maximilian auch (fast) immer mit dabei. Wenn er zur Schule fährt, sogar wenn es auf Klassenfahrt geht. Denn ohne tägliches Üben spielt man als 14-Jähriger nicht so routiniert das Finale von Max Bruchs 1. Violinkonzert, kann nicht von Konzerten zum Beispiel in Hamburg oder auf Gut Hasselburg erzählen, bestreitet keinen Soloabend wie morgen in der Musikschule und wird nicht gefragt, ob man zum Auftakt einer Großveranstaltung in der Elbphilharmonie spielen möchte.

Maximilian wohnt in Ahrensburg und war gerade fünf geworden, als er das erste Mal eine Geige im Arm hatte. Eigentlich wollte er Cello spielen wie sein Bruder Alexander, „aber wir fanden es nicht gut, wenn die Brüder die gleichen Instrumente spielen“, sagt Vater Martin Biebl. Er ist Mathe- und Physiklehrer wie seine Frau, Mathe- und Physik gehören auch zu Maximilians Lieblingsfächern („alles außer Deutsch und Bio“). Doch dass seine besondere Begabung auf dem Gebiet der Musik liegt, blieb den Eltern und seiner ersten Geigenlehrerin nicht verborgen. Sie hatte Maximilian schon nach dem ersten „Jugend musiziert“-Auftritt dem Dozenten Vladislav Goldfeld an der Lübecker Musikschule der Gemeinnützigen empfohlen – der ihn auch sofort nahm. „Bei 45 Minuten Fahrzeit haben wir uns zunächst auf eine Stunde alle 14 Tage geeinigt“, sagt Martin Biebl. Daraus seien allerdings schnell zwei mal zwei Stunden pro Woche geworden. Und während der Vater im Flur der Musikschule Arbeiten seiner Schüler korrigiert, proben Maximilian und die Klavierlehrerin Inessa Tsepkova für ihren Soloabend morgen Tartini, Wieniawski, Mendelssohn und Bruch.

Möglichst vier Stunden täglich übt der 14-Jährige. Deshalb nimmt er auch die Geige mit in die Sankt-Ansgar-Schule nach Hamburg, dort kann der Achtklässler in der Mittagspause und in Freistunden proben. „Die Lehrer sind sehr kulant“, sagt er. Das Lernen falle ihm leicht, wirklich pauken müsse er nur die Englisch- und Latein-Vokabeln. Zum Ausgleich hat er früher Fuß- und Volleyball gespielt und seit einem Jahr Golf. Handicap 25,5. „Ich will dieses Jahr noch unter 18 kommen.“

Wenn man den Jungen fragt, was ihn antreibt, was die Faszination am Spielen ist, hört man erwachsene Antworten wie: „Es macht Spaß, sich vorzubereiten und dann bis zu dem Punkt zu kommen, wo man das Stück kann.Man hat dann das Gefühl, dass man etwas erreicht hat, woran man weiterarbeiten kann.“ Sein Lehrer Vladislav Goldfeld hat bereits mit vielen Hochbegabten gearbeitet und weiß: „Maximilian ist ein Arbeitstier. Man kann nur hochkommen, wenn man besessen ist.“ Aber es komme auch auf den Charakter an. Er lächelt seinen Schüler an. „Max ist ein guter Junge.“

Der Junge zeigt Witz und Charme im Gespräch sowie klare Vorstellungen von der Zukunft: eine Solisten-Karriere. Aber er schränkt sofort ein: „Man darf sich nicht zu viel vorstellen.“ Zunächst freut er sich auf einen Auftritt, von dem andere, gestandene Musiker bisher nur träumen: als Solist in der Elbphilharmonie. Am 12 September feiert dort die Initiative Naturwissenschaft & Technik zusammen mit Förderern ihr zehnjähriges Bestehen. Maximilian wird zum Auftakt zusammen mit dem Jungen Orchester Hamburg das Finale von Max Bruchs 1. Violinkonzert spielen. Lampenfieber habe er nicht. Gute Vorbereitung sei alles. Also jetzt noch mal Bruch üben.

Konzert in der Musikschule

Morgen um 19 Uhr gibt Maximilian Biebl sein erstes Solokonzert im Saal der Musikschule der Gemeinnützigen.

Zu hören sind der 1. und 2. Satz aus der Sonate g-Moll von Guiseppe Tartini (1692-1770), der 1. Satz des Violinkonzerts e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), der 1.

Satz aus dem Violinkonzert Nr.2 von Henryk Wieniawski (1835- 1880) und das Finale des Violinkonzerts g-Moll von Max Bruch (1838-1920).

Begleitet wird er von der Pianistin Inessa Tsepkova.

Der Eintritt ist frei.

Petra Haase

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