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18:12 18.10.2017
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Die Doppelgriffstelle hat es wirklich in sich. Aber er hat sie sich ausgesucht, die Tarantella op. 33 von Popper, und nun übt er immer und immer wieder. Fünf Takte nur, eine halbe Stunde lang. Täglich. Gero Schmidt ist ein freundlicher, hellwacher Junge, elf Jahre alt, und wenn er von seinem täglichen Pensum erzählt, bekommt man ordentlich Respekt. Zweimal die Woche Cello-Unterricht, zweimal Fußball. „Wenn ich nach Hause komme, mache ich erst mal Hausaufgaben und dann übe ich Cello. Wenn ich viel zu tun hatte vorher anderthalb Stunden, sonst zwei Stunden.“

Gero Schmidt liebt die Musik und den Sport. Der Schüler des Katharineums spielt seit seinem fünften Geburtstag Cello – und seit fünf Jahren bei Fortuna St. Jürgen Fußball. Quelle: Foto: Wolfgang Maxwitat

Musik gehört ganz selbstverständlich zum Alltag für Gero und seine vier Geschwister, und das ist kein Wunder, wenn man in einer so musikalischen Familie aufwächst. Seine Mutter Saskia Schmidt-Enders ist Konzertpianistin und Klavierlehrerin, sein Vater Alexander hat ebenfalls Klavier studiert, später Medizin und arbeitet als Musikermediziner in Berlin. Auch die Großeltern und viele Verwandte beschäftigen sich mit Musik, und Geros älterer Bruder Victor hat gerade beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert auf dem Klavier einen ersten Preis gewonnen.

„Ich habe schon früh gemerkt, dass Gero musikalisch ist“, sagt seine Mutter. Zunächst gab sie dem Sohn Klavierunterricht und führte ihn dann ans Cello heran. „Er mochte es, und ich fand es schön, dass Gero etwas anderes spielt als Victor, um Konkurrenz zu vermeiden.“ Seit seinem fünften Geburtstag nimmt Gero Unterricht bei Karen Heikamp an der Lübecker Musikschule der Gemeinnützigen, ergatterte seit 2012 jährlich erste Preise bei „Jugend musiziert“ am Cello und Klavier und kammermusikalisch, er hat mit dem Cello einen dritten Preis beim Dotzauer-Cello-Wettbewerb in Dresden und einen zweiten Preis beim Internationalen Heran-Wettbewerb in Tschechien gewonnen. Um nur einige Auszeichnungen zu nennen.

Noch früher allerdings als seine musikalische Begabung trat die sportliche zutage. „Er konnte noch nicht laufen, da hat er schon den Ball getreten“, sagt seine Mutter. „Mein Mann hat viel mit den Kindern Fußball gespielt.“ Seit fünf Jahren kickt Gero bei Fortuna St. Jürgen. Im Mittelfeld, auf dem Trikot steht die Nummer 9. 20 Minuten fährt er mit Fahrrad zum Training, donnerstags danach noch zum Cellounterricht. Und neuerdings übt er auch E-Gitarre, nur so zum Spaß. Was er lieber mag, könne er gar nicht sagen, der Sport sei ein schöner Ausgleich zur Musik. Und ist es nicht gefährlich für die Hände? „Da ist erst einmal was passiert, in der Freizeit. Mein Bruder hat geschossen, ich stand im Tor, und beim Ballfangen ist die Hand weggeknickt.“ Geros Mutter sieht es gelassen. „Man kann die Kinder nicht von allem fernhalten.“

Wenn er doch mal einige Tage lang nicht üben könne, sei das schon ein kleines Problem. „An den schweren Stellen merke ich das“, sagt Gero. Und zu viel sei ihm das Üben eigentlich nie. „Wenn der Tag sehr anstrengend war, habe ich zwar keine Lust mehr, aber ich spiele trotzdem. Ich bin dann zwar nicht ganz so konzentriert, aber es hilft.“

Nun also die Doppelgriffe in der Tarantella. „Aber alles andere klappt schon gut“, sagt Gero. Alles andere, das sind eine Etüde von Popper, ein Satz aus Haydns Cellokonzert und von Paganini die Variationen auf einer Saite. Am 13. November beginnt der internationale Wettbewerb, er fährt zusammen mit seiner Mutter und Lehrerin nach Ungarn. Mit dem Autozug, ein kleines Abenteuer. Und dann muss er sich auch auf das nächste Konzert vorbereiten, am 26. November um 11 Uhr in der Lübecker Essigfabrik zusammen mit seiner Mutter und Bruder Victor.

Und wie möchte Gero später sein Geld verdienen? Als Fußballer oder Musiker? „Das weiß ich noch nicht. Ich könnte mir vorstellen, Arzt zu werden, wie Papa. Und Musik vielleicht im Orchester spielen.“

Böhmischer Cellist

Der Internationale David-Popper- Wettbewerb für junge Cellisten findet vom 14. bis 18. November im ungarischen Várpalota statt.

David Popper (1843-1913) wurde in Prag geboren, er war ein böhmischer Cellist. Bereits 1861, kurz nach seinem Abschluss, konzertierte er mit dem Leipziger Gewandhausorchester. 1863 wurde er Mitglied der fürstlich Hechingen'schen Kapelle im schlesischen Löwenberg. Im Alter von nur 25 Jahren war er Solocellist an der Wiener Hofoper. Er war nicht nur einer der hervorragendsten Virtuosen seiner Zeit, sondern auch ein bedeutender Komponist.

Petra Haase

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