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„Ja doch, ja nee, ja wat?“

„Ja doch, ja nee, ja wat?“

Premiere auf dem Lübecker Theaterschiff: In „Landeier2“ kämpfen die Bauern auf High Heels um den Erhalt der gastronomischen Kultur.

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Darauf einen Köm: Jan, Jens, Hein und Richard (v.l.) sollen tanzen, Gertrud muss den Landmännern Rhythmusgefühl beibringen.

Quelle: Th. Wulff

Lübeck. Das Problem ist bekannt: Immer mehr Dorfkneipen machen dicht. Dieses Ungemach droht auch in Lütjenburg, denn Schweinebauer Jens (Rüdiger Schade) und Schafbauer Jan (Manuel Ettelt) haben den Laden verlottern lassen und alles Geld verjubelt, während Kneipenbesitzer Hein (Jörg Schlichtkrull) mit seiner Frau Gertrud (Gabriele von Boxen) mit der Harley durch Amerika gedüst ist. Nun fehlen exakt 9995,50 Euro, um den Ruin zu stoppen. Eine Teilnahme am Preistanzen der Landfrauen beim Lütjenburger Scheunenfest verspricht Rettung, denn das Preisgeld beträgt, na klar, 9995,50 Euro. Da vier Tänzerinnen Minimum sind, müssen auch Gemüsebauer Richard (Eckhard Ischebeck) und Hein die Hüften schwingen, gecoacht von Gertrud und Richards schwangerer Frau Lavinia (Floriane Eichhorn).

Soweit in Kurzform die Handlung von „Landeier2 – jetzt geht’s zum Scheunenfest“, das am Donnerstag auf dem Theaterschiff Premiere hatte. Nachdem die Bauern-Brautschau „Landeier1“ große Erfolge feierte, hat Mario Linke einen zweiten Teil geschrieben, der allerdings, wie das bei vielen Fortsetzungen ist, nicht an das Original heranreicht.

Auch wenn das Vokabular der norddeutschen Landbevölkerung laut Klischee manchmal recht übersichtlich sein mag, sind Dialoge wie „ja doch, ja nee, ja wat?“ oder häufiges „hast du nicht, hast du doch“

nervend. Manche Gags geraten platt wie das Land, überraschende Wendungen sind rar wie Bernstein am Ostseestrand. Dass es dennoch ein amüsanter Abend ist, liegt an den wunderbaren Schauspielern, alle professionell ausgebildet mit langjähriger Erfahrung auf der Bühne und vor der Kamera. Unter der Regie von David Wehle geben sie ihrem Affen vor allem nach der Pause richtig Zucker.

Und die Herren agieren ziemlich schmerzfrei, wenn sie mit nackten Bäuchen, Feinripp-Unnerbüxen, darüber ein Leoparden-String, auf hochhackigen Pumps über die Bühne stolpern, sich Büstenhalter umschnallen, sich total überschminken lassen und bei alldem ihre feminine Seite suchen. Nur der dünne lange Hein, von Jörg Schlichtkrull schon bei „Landeier1“ liebenswert gespielt, behält die lange Motorrad-Unterwäsche an. Am Ende zeigen die Jungs dann, was sie wirklich draufhaben. Bei einer rasanten Tanzeinlage (Choreografie: Antonina Vasianovych) rocken sie in Fummel und auf High Heels mit sichtlichem Spaß die Bühne – das Premierenpublikum ist entzückt. ph

Spielzeit Juni und Juli. Tickets unter (0451) 2038385

LN

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