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Jack Londons Agentur für Meuchelmörder

Jack Londons Agentur für Meuchelmörder

Man kennt Jack London vor allem als Autor von Abenteuergeschichten, die zumeist im hohen Norden des amerikanischen Kontinents unter Goldsuchern spielen.

Man kennt Jack London vor allem als Autor von Abenteuergeschichten, die zumeist im hohen Norden des amerikanischen Kontinents unter Goldsuchern spielen. Terroristische Vereinigungen tauchen im Werk von Jack London aber auch mehrfach auf. In der Erzählung „Die Lieblinge des Midas“ zum Beispiel. Hier erpressen die bösen guten Menschen Geldmagnaten mit der Drohung, Unbeteiligte zu ermorden – was sie dann auch tun.

In seinem nachgelassenen Romanfragment „Mord auf Bestellung“, der jetzt in einer deutschen Übersetzung von Eike Schönfeld erschienen ist, geht es um eine Attentats-Agentur. Laut Preisliste kostet die Beseitigung eines korrupten Polizeichefs 10000 Dollar, der Mord an einem zweitrangigen Monarchen ist für 100000 Dollar im Angebot. Eines ist jedoch Voraussetzung für die Tat: Das Opfer muss nachweislich den Tod verdient haben. Geführt wird die Agentur von einem geheimnisvollen Mann namens Ivan Dragomiloff, der sein Treiben als moralische Mission ansieht. Dementsprechend sind seine angestellten Killer auch keine Gangster, sondern Soziologen, Philosophen und andere Akademiker, die mit Mord die Welt verbessern möchten. Das Geschäft geht seinen Gang, die Kunden stehen Schlange, bis der schwerreiche Winter Hall auftaucht. Der gibt die Ermordung Dragomiloffs in Auftrag – und der muss nach seinen eigenen Maßstäben den Auftrag annehmen. Eine Hetzjagd beginnt.

Jack London hat seinen Roman nicht vollendet, für die zweite Hälfte der spannenden Geschichte gibt es nur Notizen von ihm. Vervollständigt wurde „Mord auf Bestellung“ von dem amerikanischen Krimiautor Robert L. Fish, eine gelungene Arbeit.

Wie so oft bei Jack London hat die Handlung des Romans tiefere Bedeutung. Darf man wirklich böse Menschen im Interesse der Allgemeinheit aus dem Wege räumen? Ist Tyrannenmord legitim? Darf man sich durch eigene Moralvorstellungen zum Herrn über Leben und Tod aufschwingen? Dies sind Fragen, die in diesem Roman angesprochen werden, Fragen, die im Erzählzusammenhang jedoch nicht vollständig beantwortet werden. Dem Leser bleibt genügend Raum, um seine eigene Einstellung zur Tätigkeit der Attentats-Agentur zu finden.

Vor allem aber ist „Mord auf Bestellung“ ein ausgesprochen spannender Krimi. Er erschien übrigens in den USA erstmals 1963 – in dem Jahr, als das tödliche Attentat auf John F. Kennedy verübt wurde.

Von wem auch immer.

„Mord auf Bestellung“ von Jack London, Manesse Verlag; 262 Seiten; 24,95 Euro.

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