Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Jazz aus Energie

Lübeck Jazz aus Energie

Die Berliner Funk-Jazz-Band Mo‘ Blow hat auf ihrer Abschiedstour ein letztes Mal in Lübeck gastiert.

Voriger Artikel
Neukloster sucht ein Kunstwerk für den Alten Markt
Nächster Artikel
Kneipenbummel durchs Ostseebad

Kein filigraner Improvisator, aber dafür ein Wunder an Kraft und Leidenschaft: Felix Falk mit dem Baritonsaxofon.

Quelle: Olaf Malzahn

Lübeck. Vier bärtige Männer aus Berlin spielen Jazz. Das ist keine aufregende Nachricht. Aber diese vier Männer, die sich zusammen Mo‘ Blow nennen, spielen Jazz, und das Publikum fängt an zu tanzen. Soweit das im überfüllten CVJM in der Großen Petersgrube überhaupt möglich ist. Nach zwei Auftaktkonzerten in Berlin war Lübeck die erste Station der Abschiedstournee, mit der Mo‘ Blow nach zehn Jahren aufhören.

Bevor der Rock‘n‘Roll kam, spielten Jazzmusiker zum Tanz auf — auch solche wie Duke Ellington oder Count Basie. Das Funk-Revival der letzten zehn, zwanzig Jahre hat etwas davon zurückgebracht. Die Musik von Mo‘ Blow geht in die Eingeweide und in die Beine und macht Spaß.

Dahinter steckt enorme Disziplin. Das ganze Können und die Kreativität stehen im Dienst des Grooves. André Seidel (Schlagzeug) und Tobias Fleischer (Bass) spielen zusammen, als wären sie ein Instrument. Statt üppigen Improvisationen schaffen sie eine große Vielfalt von verschiedenen Grooves. So ganz nebenbei zeigen sie, dass auch Fünf- oder Sieben-Viertel-Grooves nicht nur als musikalisches Rechenkunststück funktionieren.

Saxofonist Felix Falk ist der charismatische Frontmann. Kein filigraner Improvisator, aber dafür ein Wunder an Energie. Der Sound der Band ist geradezu puristisch. Sie verzichtet fast ganz auf Elektronik. Sie beweist sogar, dass es mitreißenden Funk auch ohne Gitarre gibt — wenn man einen Keyboarder wie Matti Klein hat. Der braucht nur sein gutes, altes Rhodes-E-Piano, um den Groove perfekt zu machen, ihm den harmonischen Geschmack zu geben und außerdem anspruchsvolle Soli zu spielen, die ihre Komplexität aber nicht vor sich hertragen.

Und die geben jetzt ihre Abschiedstournee? Das ist einerseits bedauerlich. Andererseits kann man diesen Musikern nur wünschen, dass es ihnen nicht so geht wie Dieter Thomas Kuhn. Der kommt heute Abend in die MuK — gut 17 Jahre, nachdem er am gleichen Ort im Rahmen seiner Abschiedstournee auftrat. Er ist der Marke, die er selbst geschaffen hat, nie entkommen. Da ist es besser, diese großartigen Musiker fangen etwas Neues an, bevor sie zu Opfern ihres Erfolgs werden.

Für den CVJM, die erste Adresse für Jazz in Lübeck, geht mit diesem Konzert eine lange Beziehung zu Ende. Fünf Mal sind Mo‘ Blow seit 2008 hier aufgetreten. Aber der nächste Höhepunkt steht schon bevor: Am Sonnabend, 23. April, tritt Dan Berglund, ehemals Bassist im Trio des verstorbenen Pianisten Esbjörn Svensson, mit seiner Gruppe Tonbruket auf.

Von Hanno Kabel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden