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Kultur im Norden Jazz im Grand Hotel
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17:57 30.08.2018
Angelika Milster spielt die Rolle der argentinischen Tänzerin Tangolita, Steffen Kubach ist der türkische Gesandte Mustafa Bei. Quelle: Kerstin Schomburg
Lübeck

Die Operette „Ball im Savoy“ von Paul Abraham war 1932 in Berlin einer der großen Erfolge. Die leicht verrückte Geschichte um einen reichen Marquis, dessen misstrauische Gattin, eine Tangotänzerin und einen türkischen Gesandten, die alle im schönen Nizza zusammenkommen, eröffnet die Saison 2018/19 am Theater Lübeck. Regie führt der in Lübeck bestens bekannte Michael Wallner, die Rolle der Tänzerin übernimmt Musical-Star Angelika Milster.

Angelika Milster und Michael Wallner sind ein bestens eingespieltes Team. „Wir haben am Theater Gera gemeinsam ,Sunset Boulevard’ gemacht, die Zusammenarbeit war sehr angenehm“, sagt die Sängerin. „Und hier entwickelt sich auch alles sehr gut.“ Eine Operette zu Saisoneröffnung ist eher ungewöhnlich – und dann auch noch eine Operette, die kaum Jemand kennt? Michael Wallner: „In den letzten Jahren wird das Stück wieder häufiger gespielt, in Lübeck war es allerdings noch nie zu sehen. Und eigentlich ist es auch keine Operette, sondern eher ein Jazz-Musical. Mit deutschem Jazz allerdings, aber der ist auch fetzig und schmissig.“

Angelika Milster findet „Ball im Savoy“ auch sehr amüsant: „Viele Szenen sind urkomisch, und wenn man dann auch noch einen Partner wie Steffen Kubach hat, der den liebestollen türkischen Gesandten spielt, dann macht die Arbeit auch noch Spaß. Das Ensemble ist ausgezeichnet, die Stimmung ebenfalls.“

Was Michael Wallner an diesem Stück schätzt, ist unter anderem die außergewöhnliche Figurenkonstellation. „Normalerweise sind Frauen in den klassischen Operetten Objekte der Begierde – hier sind drei Frauen die Handelnden, die eigentlichen Hauptpersonen. Die Tänzerin Tangolita will sich an ihrem ehemaligen Geliebten Aristide rächen, die Jazz-Komponistin Daisy Darlington tritt unter dem Namen José Pasodoble auf, um endlich ernst genommen zu werden. Und Aristides frisch angetraute Gemahlin Madeleine will ihrem angeblich untreuen Mann auf die Spur kommen. Das ist alles herrlich vertrackt, übermütig und hat einen Hauch von Dada.“

Dementsprechend sieht auch das Bühnenbild aus, das Hans Hauser entworfen hat. Wallner: „Im ersten Akt sind wir auf einer großen Terrasse mit Blick auf das Meer. Im zweiten Akt haben wir das Bühnenbild einfach auf den Kopf gestellt, das Meer ist jetzt der Himmel, der Kronleuchter hat sich in einen Brunnen verwandelt. Das soll ein wenig surrealistisch wirken und entspricht damit der Stimmung in diesem Stück. Es erinnert aber auch an einen gekenterten Ozeanriesen, und das Schiff Weimarer Republik kenterte ja auch wenige Monate nach der Uraufführung von „Ball im Savoy’, als Hitler an die Macht kam.“

Für Paul Abraham war „Ball im Savoy“ der letzte große Erfolg nach „Blume von Hawaii“ und „Viktoria und ihre Husar“. Der gebürtige Ungar musste Deutschland wegen seiner jüdischen Abstammung verlassen und landete nach mehreren Stationen in Europa schließlich im Exil in den USA. Dort konnte er als Komponist nicht Fuß fassen, zudem litt er unter den Folgen einer Syphilis-Infektion. Als er 1946 in New York den Straßenverkehr auf der Madison Avenue dirigierte, kam er in eine psychiatrische Klinik, 1956 holten ihn Freunde nach Hamburg. Dort starb er in geistiger Umnachtung 1960.

„Ball im Savoy“ ist für Angelika Milster eine erfreuliche Möglichkeit, wieder mit Michael Wallner zusammen arbeiten zu können. „Er ist ein Regisseur und kein Dompteur, er lässt den Akteuren Raum zum Atmen“, sagt sie. „So entwickelt sich ein Geben und Nehmen, das Produkt, das dabei herauskommt, kann sich sehen und hören lassen.“

Zwei Stunden und 20 Minuten wird das opulente Spektakel dauern. „Wir haben den dritten Akt stark gekürzt, in dem nur wenig Handlung ist. Das Finale aber wird eine Überraschung – aber die werde ich noch nicht verraten.“

Premiere am Sonnabend, 1. September, um 19.30 Uhr im Großen Haus des Theaters Lübeck.

Jürgen Feldhoff

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