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Kultur im Norden „Jeder Abend ist ein Abenteuer“
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08:27 13.03.2013
Von Jürgen Feldhoff
Sven Simon (hinten in der Mitte) 1983 in Jan Herchenröders Lübeck-Revue, eine seiner ersten Rollen in der Beckergrube. Quelle: Jo Marwitzky
Lübeck

23 Jahre alt war Sven Simon, als er nach seiner Ausbildung bei Hildburg Frese in Hamburg an das Theater Lübeck kam. Das war 1983 — und er ist immer noch da, als vielbeschäftigter Schauspieler, als Liebling des Publikums und als engagierter Betriebsrat des Hauses in der Beckergrube. „Früher war es immer so, dass ich schon fast rechtfertigen musste, so lange Zeit in Lübeck zu sein“, erzählt Sven Simon. „Irgendwann habe ich mir dann gedacht: Dann soll es so sein. Und ich habe mich mit Lübeck arrangiert.“ Gerne spielt er an diesem Theater, auch noch nach 30 Jahren. Am Freitag ist er in Anton Tschechows „Onkel Wanja“ als Professor zu sehen, und er wird wieder starkes Lampenfieber haben: „Das ist kurioserweise in den letzten 15 Jahren immer schlimmer geworden, ich weiß nicht, warum das so ist. Ich sitze zwar scheinbar ganz ruhig auf meinem Stuhl, bevor die Premiere beginnt, aber ich bin dann in Wirklichkeit ein Nervenbündel.“

Was man dem schmalen, zerbrechlich wirkenden 53-Jährigen nicht anmerkt. Souverän ist er in seinen Rollen, nicht nur, wenn er den Spaßmacher gibt. Dabei ist Komik für Sven Simon ein unverzichtbarer Bestandteil der Schauspielerei und der Theaterkultur überhaupt: „Warum soll man dem Publikum denn nicht die Freude machen, neben all den schweren Stoffen auch gepflegte Komödie anzubieten? Lachen gehört zum Leben, auch im Theater. “

Simon spielt gerne am Theater Lübeck, an dem er vier Intendanten beziehungsweise Schauspieldirektoren erlebt hat. Es gab aber auch dunkle Zeiten. „Während der Intendanz von Marc Adam wurde im Sprechtheater fast alles zerstört, was unter Dietrich von Oertzen aufgebaut worden war. Das hat uns damals fast Kopf und Kragen gekostet, weil die Zuschauer dieses Theater nicht sehen wollten.“

Damals dachte Sven Simon auch darüber nach, Lübeck zu verlassen, aus diesen Plänen ist nichts geworden. „Zum jetzigen Schauspieldirektor Pit Holzwarth habe ich ein durch Offenheit und gegenseitigen Respekt geprägtes Verhältnis“, sagt Simon.

Die Jahre unter Dietrich von Oertzen sieht Sven Simon als die absolute Hoch-Zeit des Lübecker Schauspiels. „Da waren Stücke wie ,Kunst‘ von Yasmina Reza, ,Caligula‘ von Albert Camus oder ,Cyrano de Bergerac‘ von Edmond Rostand, hier haben Regisseure wie Andreas von Studnitz, Jacqueline Kornmüller oder Stephan Mettin gearbeitet — viel besser als wir konnte ein Stadttheater nicht sein, auf diese Jahre bin ich immer noch stolz.“

Es hat sich einiges geändert seit dem ersten Auftritt von Sven Simon am Theater Lübeck. „Der Druck ist größer geworden, das Ensemble kleiner. Deshalb haben wir auch eine so grotesk große Zahl von Absagen in dieser Saison. Die Belastung der Schauspieler ist grenzwertig.“ Das sieht nicht nur der Schauspieler, sondern auch der Betriebsrat Sven Simon so, der sich immer vehement für die Interessen seiner Kollegen eingesetzt hat und unter anderem erfolgreich gegen einen Haustarifvertrag kämpfte. Schauspieler aber würde Sven Simon, der Vater von drei Kindern ist, immer wieder werden: „Ich empfinde es als großes Privileg, auf der Bühne zu stehen und Charaktere darzustellen. Jeder Abend ist anders, ist ein Abenteuer, das will ich nicht missen.“ Und warum muss es Theater geben? „Weil sich die Menschen immer oberflächlicher unterhalten lassen wollen. Theater aber bildet, über Sprache, über Inhalte und — man lernt zu zuhören und auch still zu sein.“

Und welche Rollen würde Sven Simon gerne noch spielen? „Thomas Bernhard reizt mich sehr, da gibt es wunderbare Rollen für ältere Schauspieler. Und der Erz-Bösewicht Richard III.“

„Das Lampenfieber bei Premieren ist mit den Jahren immer schlimmer geworden.“
Sven Simon

Jürgen Feldhoff

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