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Joe macht sein Publikum happy

Hamburg Joe macht sein Publikum happy

Sänger und Pianist Joe Jackson präsentiert sein Album „Fast Forward“ in Hamburg.

Hamburg. Wer an diesem Abend zu spät in der Fabrik aufkreuzt, hat es schwer, einen Blick auf Joe Jackson zu erhaschen. Das Gastspiel des 61-Jährigen im Musikclub im Herzen Altonas ist restlos ausverkauft. Unten erschweren Holzstützen die Sicht, auf der Galerie hat man sich damit arrangiert, das Bühnengeschehen auf dem Bildschirm zu verfolgen. „Da sind viele ältere Männer hier, die nehmen Volumen weg“, witzelt ein Medienmensch.

 

LN-Bild

Selbstvergessen: Joe Jackson in der Hamburger Fabrik.

Quelle: Imago

Um Punkt 20 Uhr schwingt sich der blondierte Brite hinter sein Piano. Jackson ist an diesem Abend sein eigenes Vorprogramm. Mit dem Hit „It‘s Different for Girls“ beginnt das Instrumentalset. Er weiß, wovon er spricht: Seine beiden Ehen bezeichnet er als Desaster, sich selbst als bisexuell.

Jackson mischt an diesem Abend seine Klassiker mit Coverversionen und Titeln seines aktuellen Albums „Fast Forward“. Die Aufnahmen zu dem gefeierten Longplayer, der durchaus ebenbürtig ist mit Meilensteinen wie „Night and Day“ und „Body and Soul“, fanden in vier Städten statt. Neben New York, New Orleans und Amsterdam war auch seine Wahlheimat Berlin darunter.

„Be my Number Two“ ist ein Song, dessen Titel für die Karriere des Grenzgängers zwischen New Wave, Jazz und Pop steht. Jackson- Veteranen halten den Leisetreter mit der scharfen Stimme für einen der am meisten unterschätzten Popmusiker. In Portsmouth, der Hafenstadt an der Südküste Englands, war er bereits mit 16 Jahren in lokalen Kneipen zu sehen und zu hören. Es folgte ein durch Stipendien gefördertes Studium an der Royal Academy of Music in London. Ende der 1970er Jahre gründete er die legendäre Joe Jackson Band.

Dass Jackson ein begnadeter Arrangeur ist, zeigt auch dieser lauschige Abend. Zum Hit „Is she Really Going out With Him“ gesellt sich Bassist Graham Maby dazu, bis dann das Line-Up mit Gitarrist und Drummer komplett ist. Bei Joni Mitchells „Big Yellow Taxi“ hat sich der Brite für eine swingende Dixieversion entschieden. Aber auch das sphärische „Blue Time“, das den Übergang zwischen Traum und Erwachen konserviert oder „Poor Thing“ („Für alle unter euch, die gerade nicht so happy sind“) werden bejubelt. Der Mann weiß, wie man nur mit Musik und ohne große Show sein Publikum glücklich macht.

Von Alexander Bösch

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