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Kultur im Norden John Mayall: Der alte Mann und der Blues
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16:44 13.03.2019
„Godfather of British Blues: John Mayall live in der Fabrik in Hamburg, hinten Jay Davenport an den Drums. Quelle: Foto: Public Address
Hamburg

Es ist kurz vor acht am Abend, die Fabrik in Altona ist ausgebucht, vorwiegend ältere Männer schlürfen Bier und Alster. John Mayall sitzt noch an einem Tisch, signiert CDs. Dann eilt er hinter die Bühne, streift seinen Hoodie ab, fünf nach acht legt er mit seiner Band los. Mit 16 hatte der Brite John Mayall zum ersten Mal den Blues, heute zählt er 85 Jahre und ist das, was gern als lebende Legende bezeichnet wird. Kaum einen Tag Pause macht er auf seiner Tour, nach Hamburg gestern Berlin, heute Halle, morgen Prag, 14 weitere Konzerte im März zwischen Budapest und Rom folgen. Warum tut er sich das an?

John Mayall hat den Blues nicht definiert, und er ist nie ein überragender Musiker gewesen. Aber er war und ist ein Türöffner, er wird als „Godfather of British Blues“ verehrt. Mayall war Mentor für eine Fülle von Musikern, beginnend mit Eric Clapton. Seine Band wechselte immer wieder, und viele seiner Musiker sind längst ein Fall für das Rock-Geschichtsalbum: Peter Green, Mick Taylor, Mick Fleetwood, Jack Bruce, Andy Fraser. . . . Nimmt Mayall ein Album wie das aktuelle „Nobody Told Me“ auf, steigen Musiker wie Joe Bonamassa ein, um einen der aktuell populären Bluesmenschen zu nennen.

John Mayall live

Hundert Minuten wird er auf der Bühne stehen, am Keyboard, an der Ukulele, und am Ende wird er eines der wenigen Stücke spielen, die es zu einer Art Weltruhm gebracht haben: „Room To Move“. Der Grenzgang zwischen Blues und Jazz mit nach wie vor dynamisch gespielter Blues-Harp, mit Mouth-Percussion und Scat-Gesang wird zum Höhepunkt eines sympathischen Abends. Seine helle Stimme trägt noch, ein bisschen verschleift er die Töne. Einmal am Beginn verratzt er die Tonart auf der Mundharmonika, was im Lauf des Abends zu einiger Selbstironie führt.

Die musikalischen Highlights setzt, wie immer bei John Mayall, die Band. Allen voran ist es die Gitarristin Carolyn Wonderland. Sie spielt ihre so melodisch wie virtuos ausgeformten Soli mit leidenschaftlichem Ton. Ab und zu singt sie ein Stück und klingt dann ein bisschen wie Janis Joplin, um einen weiteren Fall aus der Rockgeschichte zu nennen. Mit Greg Rzab (Bass) und Jay Davenport (Drums) hat Mayall zwei weitere Musiker auf der Bühne, die weit über das Normalmaß hinaus Lust an ihrem Tun haben und die zum Improvisieren freigegebenen Räume nutzen.

Ja, die Stücke ähneln sich: „Hideaway“ aus der Bluesbreakers-Zeit 1966 ist nicht weit entfernt von „The Moon Is Full“ vom aktuellen, gefühlt 55. Album „Nobody Told Me“. Aber das stört niemanden, es geht ja um das Erinnern eines Lebensgefühls, um etwas Nostalgie und darum, einen Veteranen der Musikszene zu ehren. Einen, der immer dabei war, aber nie ganz vorn, und der fünf Minuten nach dem Konzert wieder am Tisch sitzt und CDs signiert. Warum er sich das antut? Er kann, er will nicht anders, und wer mit 85 Jahren so agil ist, Spaß am Spielen hat und sein Publikum findet, der führt ein erfülltes Leben.

Hans-Martin Koch

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