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Johannes-Passion mit Licht und Schatten

Lübeck Johannes-Passion mit Licht und Schatten

Erstes Konzert in Marien unter Karl Hänsel.

Lübeck. Die Knabenkantorei an St. Marien und ihr neuer Leiter Karl Hänsel haben ihre Feuerprobe bestanden. Die Leistung der jungen Sänger – wie auch die der Männerstimmen – bei der Aufführung der Johannes-Passion am Karfreitag war hervorragend. Der Chorklang war homogen und sehr beweglich, die Melismen wurden sauber ausgesungen, die dynamische Differenzierung und die Intonation waren so gut, wie man es lange nicht mehr gehört hat.

Karl Hänsel ist ein Dirigent der kleinen Gesten. Mit sparsamer, aber präziser Zeichengebung führte er den Chor, die Solisten und das Orchester Musica Baltica Rostock sicher durch das große Oratorium.

Hänsel setzte auf Kontraste, leisestes Piano stand neben den großen Forte-Ausbrüchen, etwa in den Turba-Chören. Eine sehr fein gearbeitete Darbietung der Passionsmusik entstand so. Die Minuten der Stille zwischen den beiden Teilen waren angesichts dieser gewaltigen Dramatik ausgesprochen wohltuend.

Bei der Auswahl der Solisten hatte Hänsel nur bedingt eine glückliche Hand. Die Altistin Antje Kammeyer war ihrer Partie kaum gewachsen, sie hatte größte Probleme, sich gegen das Orchester zu behaupten. Ebenso geriet der Bassist Henrik Marthold (Pilatus/Arien) an seine Grenzen. Rhythmisch unsicher, verirrte sich sein Gesang immer wieder ins Niemandsland der Intonation.

Weitaus erfreulicher war der Auftritt des jungen Tenors Florian Sievers, der als Evangelist überzeugte, auch wenn er gelegentlich etwas ungestüm wirkte. Julian Redlin sang Christus mit sicher fundiertem Bass. Herausragend war der Auftritt von Katharina Leyhe. Sie verfügt über eine strahlende Sopranstimme, die sie sicher zu führen weiß und die mit scheinbarer Leichtigkeit das Kirchenschiff füllte. Ein musikalisches Erlebnis. Fel

LN

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