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Kultur im Norden Johannes Paul II. wird zum Heiligen
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23:22 05.07.2013
Johannes Paul II. im November 2004: von Krankheit gezeichnet, doch immer noch populär.
Rom

Kein anderer Papst der Neuzeit hat die römisch-katholische Kirche so stark geprägt wie Johannes Paul II. Millionen Gläubige jubelten dem „eiligen Vater“

in aller Welt zu, er predigte einerseits gegen den Kommunismus und verurteilte später andererseits den Turbo-Kapitalismus als sozial ungerecht. Johannes Paul II. war ein „großer Papst“, da sind sich die Gläubigen seit langem einig. Der Pole prägte bis zu seinem Tod 2005 die katholische Kirche als Reisepapst, Friedensmahner und Freund der gläubigen Jugend. „Santo subito“ riefen Gläubige nach seinem Tod auf dem Petersplatz in Rom — sie forderten die sofortige Heiligsprechung. Die Forderung erfüllt nun der aktuelle Papst Franziskus.

Die „Stimme der Stummen“ wolle er sein, sagte Karol Wojtyla einmal über sich selbst, der Mann aus Krakau wollte das Unrecht der Welt beim Namen nennen. Dafür wurde er viel gelobt. Dagegen stieß sein starres Festhalten an Dogmen auf Unverständnis auch innerhalb der Kirche. Unfehlbarkeit des Papstes, Priesterzölibat und der Ausschluss von Frauen aus dem Priesteramt waren für Johannes Paul II. nicht diskutierbar.

Mit seinen mehr als 100 Auslandsreisen trug er seine Botschaften in alle Welt. Ob Kubas Staatschef Fidel Castro, der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow oder US-Präsident George W. Bush — Johannes Paul II. trat auch den Mächtigen selbstbewusst entgegen, verlangte Menschenrechte, Demokratie und die Abkehr von Gewalt und Krieg. Den Gläubigen wie den Laien wollte er verkünden, dass seine Kirche beim Gang der Welt ein Wort mitreden wollte.

Ob Sexualmoral, Geburtenkontrolle oder Abtreibung — innerkirchlichen Reformen hat der Pole immer wieder eine Absage erteilt. Scharf kritisiert wurde er für seine Haltung zum Gebrauch von Kondomen. Gerade im Aids-geplagten Afrika hätte er mit einer Lockerung des strengen Verbots viel erreichen können, meinten Kritiker.

2003 versuchte er noch, den Irakkrieg zu verhindern und beklagte Ausbeutung und Armut in der Dritten Welt. „Er hat die Gesellschaft, die Kultur, die Bereiche der Politik und Wirtschaft für Christus geöffnet“, so sah es sein Nachfolger Benedikt. Joseph Ratzinger sprach seinen Vorgänger Wojtyla in Rekordzeit und nach beschleunigtem Verfahren am 1. Mai 2011 selig.

Der Pole war der erste Papst, der Ski fuhr und wanderte. Ein Attentat im Mai 1981 auf dem Petersplatz versetzte ihm einen ersten gesundheitlichen Schlag. Er wurde durch Schüsse schwer verletzt. Die letzten Jahre im Amt wurden für den auf den Rollstuhl angewiesenen Parkinson-Kranken zur Qual.

Eindruck machte im Jahr 2000 Johannes Pauls „Mea Culpa“ in Jerusalem, die Vergebungsbitte für den Antisemitismus der Kirche. Als erster Papst besuchte er eine Synagoge und eine Moschee.

Neben Johanns Paul II. wird nun auch der 1963 gestorbene Johannes XXIII. heiliggesprochen. Voraussetzung für die Ernennung zum Heiligen sind zwei verbriefte Wunder. Das erste Wunder, das Johannes Paul II. zugeschrieben wird, ist die Heilung einer Nonne von der Parkinson-Krankheit. Dies führte zu seiner Seligsprechung. „Das zweite Wunder von Johannes Paul II. ist bei einer Frau aus Costa Rica geschehen“, sagte Vatikan- Sprecher Federico Lombardi. Sie soll am 1. Mai 2011 — dem Tag der Seligsprechung von Johannes Paul II. — von einer Gehirnverletzung geheilt worden sein.

Johannes XXIII., der in seiner Amtszeit (1958 bis 1963) mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine Zeitenwende in der katholischen Kirche eingeleitet hatte, wird allerdings ohne die Anerkennung eines zweiten Wunders zum Heiligen erklärt. Papst Franziskus habe entschieden, dass das nicht erforderlich sei, erklärte sein Sprecher Lombardi.

Selig und heilig
Die Heiligsprechung ist ein kirchenrechtliches Verfahren, an dessen Ende der Papst bestimmt, ob ein Verstorbener als Heiliger bezeichnet werden darf. Voraussetzung ist entweder ein Martyrium oder der Nachweis von zwei Wundern. Die Vorstufe zur Heiligsprechung ist die Seligsprechung. Diese erlaubt die Verehrung eines Verstorbenen in einer bestimmten Region. Die Heiligsprechung dehnt die Verehrung auf die gesamte Weltkirche aus.

Hanns-Jochen Kaffsack

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