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Kultur im Norden John Lydon – Punk mit Lesebrille
Nachrichten Kultur Kultur im Norden John Lydon – Punk mit Lesebrille
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18:13 13.05.2016

Hamburg. Die Sex Pistols haben nie in Hamburg gespielt. Sie standen 1978 zwar mal auf Plakaten, aber es ist nichts draus geworden. Johnny Rotten jedoch war da, als John Lydon, so wie er richtig heißt. Er hat ein paarmal mit seiner Band PiL vorbeigeschaut und am Donnerstag wieder. Es war der Besuch eines in die Jahre Gekommenen, eines Revolutionärs, der in Großbritannien mal als der gefährlichste Mann nach Oskar Lafontaine galt. Aber das ist eine Weile her, vier Jahrzehnte ungefähr, einverstanden jedoch ist er noch immer nicht.

Klagen eines wütenden Muezzins: John Lydon (60). Quelle: Jörg-M. Schulze

Die Sex Pistols hatten nur wenig Zeit, aber in der haben sie viel Geschichte geschrieben. Die interessantere Musik allerdings hat Lydon erst danach mit Public Image Limited (PiL) gemacht. Die barg die Erfahrung von Punk in sich, ging aber ohne Scheuklappen und mit einem schlauen Kopf eine ganze Ecke weiter. Da reichten ihm manchmal zwei Zeilen wie „This is what you want, this is what you get“, um damit fast einen ganzen Song zu bestreiten und eine ungeheure Spannung aufrechtzuerhalten. In der gut gefüllten Markthalle haben sie „Order of Death“ jetzt auch wieder gespielt, aber die Spannung verlor sich irgendwo zwischen Gitarren, Schlagzeug und Bass, die jeden Widerstand im Keim erstickten.

Lydon hat immer noch diese gefährliche Schärfe in der Stimme, etwas Lauerndes, das sagt: Etwas passiert hier, aber Sie wissen nicht, was es ist, oder, Mister Jones? Und wenn er mag, lässt er es aufblitzen. Wenn er jedoch nicht mag, ist das oft nur ein Brüllen und die Musik harter, aber doch meist recht herkömmlicher Rock. Und Lydon steht am Mikrofon, Lesebrille, Großraumhemd, und lässt seine wütenden Muezzin-Klagen durch all diese Wucht wehen. Nach anderthalb Stunden und zwei Zugaben ist Schluss. „God Save the Queen“ war nicht dabei, immerhin. int

LN

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