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Kultur im Norden Joja Wendt zaubert am Klavier in Lübeck
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17:43 12.11.2018
Magische Hände: Tastenzauberer Joja Wendt hatte in der Lübecker MuK wieder viele Gags auf Lager. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Es beginnt mit „Thriller“ von Michael Jackson. Der Flügel ist gespenstisch grün ausgeleuchtet, der Deckel hebt sich wie von Zauberhand, knarzend wie bei einem Sarg. Dann legt der Meister los. Auf der Leinwand konnten die Zuschauer versuchen, dem Lauf seiner langen, schlanken Finger zu folgen. Im Laufe des Abends waren diese dann manchmal nur noch als Unschärfe wahrzunehmen.

„Stars on 88“ heißt das aktuelle Konzertprogramm des 54-Jährigen, mit dem er nun auch das Publikum aus Lübeck und Umgebung in Erstaunen versetzte. So wie es 88 Tasten auf dem Klavier gibt – in Wendts Fall natürlich auf dem Steinway-Flügel – so gibt es für diesen Mann gefühlte 88 Möglichkeiten, was sich mit dem Instrument alles anstellen lässt. So hat sich Joja Wendt etwa einen pneumatischen Flügel bauen lassen, der während seines fulminanten Spiels mal eben seitlich abhob. Der Hocker neigte sich mit. Mit kleinen Hilfsmitteln veränderte Wendt mühelos den Klang der Tasten, demonstrierte seine Tricks und erklärte sie dem Publikum. Der Künstler hatte selbst einen enormen Spaß bei der Sache, und der übertrug sich eins zu eins im fast ausverkauften Saal.

Dem Weltklasse-Pianisten aus Hamburg sind die Grenzen zwischen E und U, Pop und Klassik herzlich schnuppe. Seine Konzerte überwinden genau diese Grenzen, sie werfen Althergebrachtes und Gewohntes lustvoll über Bord. Ob Jazz, Klassik, Pop oder Hardrock: Joja Wendt machte sich alles zu eigen. Rudimente eines „Jugendzimmers“ waren auf der Bühne aufgebaut, auch ein altes Keyboard und dazu ein Stapel Vinylschallplatten. Immer wieder zog Joja Wendt eine Platte heraus, die für ihn eine besondere Rolle gespielt hat. Auch aktuelle Hits wie Ed Sheerans „Shape of you“ interpretierte der „Piano-Man“ auf seine Weise. Und zeigte keine Angst vor AC/DCs „Thunderstruck“.

Das Publikum, obwohl zu einem großen Teil im gesetzten Alter, machte alles mit. Das galt auch für das seit 48 Jahren verheiratete, tapfere Ehepaar aus Boltenhagen, das Wendt für den ganzen Abend zu seinem „Opfer“ auserkoren hatte. Ehemann Kurt musste zu Trios „Da da da“ an passender Stelle den alten Mini-Synthesizer von 1979 drücken, was misslang. Prima dagegen die Soundeffekte einer verkratzten Platte zu einem Ragtime-Stück der Zwanziger, dargeboten mit der Folie einer Mozartkugel.

Einen ruhigen, berührenden Moment gab es, als Joja Wendt den Prince-Klassiker „Purple Rain“ spielte und die Bühne komplett in Lila getaucht war. Das war schlicht wunderschön – und ausnahmsweise ganz ohne Tricks.

Nächstes Konzert im Norden: 30. November, Kieler Schloss; Infos: www.jojawendt.com

Oda Rose-Oertel

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