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Kultur im Norden Meese-Festspiele in Lübeck
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16:22 27.11.2018
Uncle John wants you: Jonathan Meese in der Ausstellung „Die Irrfahrten des Meese", die zurzeit in der Pinakothek der Moderne in München läuft. Quelle: dpa
Lübeck

Jonathan Meese ante portas: Im kommenden Jahr wird der Universalkünstler von Februar bis August in Lübeck zu sehen sein, und wie. Gleich an fünf Orten in der Stadt sind Ausstellungen und Aktionen geplant. „Es ist das größte und umfangreichste Projekt, das er bisher gemacht hat“, sagte Oliver Zybok, Direktor der Lübecker Overbeck-Gesellschaft, am Dienstag bei der Vorstellung.

Zybok ist wesentlich bei der Frage, wie das Vorhaben zustande gekommen ist. Er kennt den in Ahrensburg aufgewachsenen Meese schon seit der Zeit auf der Hamburger Kunsthochschule, seit etwa zwanzig Jahren also. Und ihn trieb der Name ähnlich um wie Bernd Schwarze, den Pastor der Petrikirche. Als auch Grass-Haus-Leiter Jörg-Philipp Thomsa bei Gelegenheit erwähnte, er würde Meese gern in seinen Räumen ausstellen, wurde noch Hans Wißkirchen als Chef der Lübecker Museen mit ins Boot geholt, dann nahm das Geschäft von einiger Größe langsam Gestalt an. Jetzt wird Meese im neuen Jahr von Februar bis August in Lübeck zu erleben sein, und das auch bei der Arbeit.

Eröffnungen im Februar und März

Jonathan Meese wurde 1970 in Tokio geboren. Nach der Trennung der Eltern zog er 1973 mit seiner Mutter und den Geschwistern nach Ahrensburg, wo er 1989 an der Stormarnschule Abitur machte. Er studierte an der Hamburger Hochschule für bildende Künste und zählt heute zu den international bekanntesten deutschen Künstlern.

Eröffnet wird das Lübecker Projekt am 17. Februar (Grass-Haus, St. Petri) und am 30. März (St. Annen, Overbeck). Am 7. Mai findet die Performance bei Gollan statt.

„Er war direkt begeistert“, sagte Zybok. „Sein erster Satz war: Gesamtkunstwerk Lübeck.“ Als er sich im März mit seiner Mutter in Lübeck umsah, neugierig, an allem interessiert, von großer Zugewandtheit und ohne müde zu werden, formte sich das Projekt immer mehr. Heimat ist das übergreifende Thema von „Dr. Zuhause K.U.N.S.T. (Erzliebe)“. Es geht um Migration und Nationalismus, es geht um Ideologie, was bei Meese immer der Kampf gegen die Ideologie ist. Und die fünf Orte haben dabei jeweils einen Familienbegriff zugeteilt bekommen.

Die Kunsthalle St. Annen firmiert als „Mutter“, die dortige Meese-Retrospektive steht unter dem Motto „Evolution“. Es werden Gemälde, Bronzen und Skulpturen gezeigt, sagte Antje-Britt Mählmann, die das Haus erst seit diesem Sommer leitet und der eine Hinwendung zur zeitgenössischen Kunst sehr am Herzen liegt. Es seien ältere Arbeiten, aber auch einige, die Meese eigens für die Ausstellung anfertige.

Das Günter-Grass-Haus (Großvater/Gold) zeigt den literarischen Meese und blickt auf seine Lebensgeschichte. Wie Grass hat auch Meeses Familie Wurzeln in Danzig, die Großmutter besaß dort ein Haus. Meese sei „ein typisch deutscher Künstler“, sagte Thomsa und freute sich nach Gästen wie Helge Schneider und Janosch „mal wieder auf ein bisschen Anarchismus“. Grass jedenfalls wäre mit Meese „sehr einverstanden gewesen“.

In der Overbeck-Gesellschaft (Vater/Liebe) wird Meese einen Fries malen, auch vor Publikum. In der Gollan-Werft (Kind/Schlaf) geht es im Mai um Meese als Performance-Künstler und die Sehnsucht nach einem festen Ort. Meese mache dabei auch vor den Toiletten nicht halt, sagte Werftchef Thilo Gollan und war schon mal „sehr gespannt“. In St. Petri (Großmutter/Macht) wird es unter anderem eine Installation geben, die um den hohen Raum in der Kirche weiß.

Es ist aber noch vieles im Werden, und es bleibt ja auch noch etwas Zeit. Außerdem gibt es einen laufenden Austausch. Die Lübecker haben Meese im Oktober in seinem Berliner Atelier besucht, im Dezember werden Mählmann und Zybok noch einmal hinfahren. Und wer ihm einmal begegnet sei, so Pastor Schwarze, der treffe auf „eine Freundlichkeit und Herzlichkeit, wie man sie selten erlebt“. Er habe anfangs manchmal schlucken müssen in der näheren Beschäftigung mit Meeses Arbeit, aber Person und Werk für identisch zu halten, wäre ein großer Fehler.

Jede Ausstellung und jede Aktion solle für sich selbst stehen, sagte Wißkirchen. Allerdings handle es sich natürlich auch um ein „Netzwerk“ und um etwas, das es in der Form in Lübeck noch nicht gegeben habe. „Das ist etwas ganz Besonderes, nicht nur für uns, auch für ihn. Wir sind alle gespannt, was uns erwartet.“ Und es wäre schön, wenn von den Werken auch das ein oder andere in Lübeck bleiben könne. Bislang sucht man Meese in Lübecker Museen leider vergebens.

Peter Intelmann

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