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18:12 02.05.2016

Lübecker Nachrichten: Machen Sie sich Sorgen um die die Pressefreiheit in Deutschland?

Helmut Heinen „Sorgen“ ist ein sehr massives Wort, das empfände ich als nicht angemessen. Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen die Meinungs- und Pressefreiheit nicht nur im Grundgesetz verankert sind, sondern täglich gelebt werden. Aber ich sehe schon, dass das Recht auf Pressefreiheit derzeit von vielen Seiten bedrängt wird, auch — wenn ich an die jüngste und in dieser Form völlig überflüssige Debatte über sexistische Werbung denke — aus Richtungen, aus denen das nicht unbedingt zu erwarten war.

Wird die freie Berichterstattung in Deutschland schwieriger?

Heinen: Die Durchsetzung des Rechts auf Pressefreiheit wird für uns Medienleute anstrengender. Dabei denke ich weniger an die aktuell so lebhaft diskutierte Frage, was Satire ist und darf und wo die Schmähkritik anfängt. Das muss eine demokratische Gesellschaft von Zeit zu Zeit neu verhandeln. Mich bedrücken vielmehr die zunehmenden Angriffe auf Journalisten und Redaktionen.

Welche Dimension hat diese Bedrohung?

Heinen: Mindestens elf tätliche Angriffe hat das Europäische Zentrum für Presse- und Medienfreiheit seit Jahresbeginn bereits wieder verzeichnet, sämtlich im Umfeld von rechtspopulistischen oder extremistischen Demonstrationen. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat zu Jahresbeginn erklärt, bei Berichten über die sogenannten Montagsumzüge in Dresden und Leipzig seine Reporter nur noch mit Schutzpersonal rauszuschicken. Was sagt das über unser Land und seine Debattenkultur? Wer nicht mitläuft oder zumindest die Klappe hält, wird verprügelt? Journalisten sind per se „der Feind“? Das ist, leider, keine singuläre Erscheinung im Osten Deutschlands, auch im Westen werden Journalisten bedroht.

Haben Sie den Eindruck, dass sich die Situation verschlechtert?

Heinen: Nein. Dann hätten die Medien und gerade auch die Zeitungen, die das Gespräch einer Gesellschaft vor Ort moderieren, versagt. Ich halte die Anwürfe, angeblich „Lügenpresse“ zu sein oder zu verbreiten, nur für eine Zeiterscheinung. Wir sehen, dass Institutionen — seien es die Kirchen, die Parteien oder eben auch die Medien — in den Augen von Teilen der Bevölkerung an Einfluss verlieren. Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass Zeitungen unabhängig von ihrer Erscheinungsform systemrelevant für unsere Demokratie sind.

LN

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