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Juli Zehs Bestseller: Spiel mit der Realität

Leipzig Juli Zehs Bestseller: Spiel mit der Realität

. Juli Zeh (41) steht mit ihrem Roman „Unterleuten“ seit Wochen auf einer der ersten drei Positionen der Bestsellerlisten.

Leipzig. . Juli Zeh (41) steht mit ihrem Roman „Unterleuten“ seit Wochen auf einer der ersten drei Positionen der Bestsellerlisten. Die Autorin, die seit 2007 im Havelland lebt, lässt ihre gesellschaftskritische Geschichte in einem fiktiven Dorf in Brandenburg spielen. Massive Konflikte unter den Dorfbewohnern, den alteingesessenen wie den zugezogenen, brechen auf, als im Dorf ein Windpark errichtet werden soll. Gestern hat Juli Zeh offenbart, dass der Roman Teil einer großen Inszenierung weit über die Grenzen des Buches hinaus sei.

Leser hatten sich zuvor auf die Spurensuche begeben, und es gab Plagiatsvorwürfe — der Ratgeber „Dein Erfolg“ eines gewissen Manfred Gortz, erschienen im Goldmann-Verlag, soll in „Unterleuten“ üppig zitiert worden sein. Juli Zeh gibt nun zu, diesen dubiosen Ratgeber, eine Bibel der Ellenbogengesellschaft, selbst verfasst und den Autor Manfred Gortz erfunden zu haben.

Die Figuren von „Unterleuten“ existieren im Buch, aber auch im Internet. Dort betreibt der Erfolgscoach Manfred Gortz eine Webseite und twittert. Dieses Spiel mit der Realität sei Zehs Idee gewesen, sagte gestern Karsten Rösel, Sprecher des Luchterhand-Verlages, in dem „Unterleuten“ erschienen ist. In einem Interview hatte Zeh auf die Frage, ob Manfred Gortz tatsächlich existiere, gesagt: „Warum sollte er nicht existieren? Ich dachte, alles, was im Internet steht, existiert auf alle Fälle.“

Juli Zeh erklärte: „Die Erzählung ,Unterleuten‘ geht weiter, in Büchern, in Zeitungen, im Internet. Wenn Sie ihr folgen, werden Sie überall auf Teile von ,Unterleuten ‘ stoßen. Weil die Gesellschaft nicht mehr so funktioniert wie zu Zeiten von Balzac, Thomas Mann oder John Updike, ist ,Unterleuten‘ als Gesellschaftsroman des 21. Jahrhunderts ein literarisch-virtuelles Gesamtkunstwerk.“

Eine Erfindung Zehs ist auch die Erzählerin Lucy Finkbeiner, die angeblich die Recherche zu „Unterleuten“ gemacht und ihr Material der Autorin zur Verfügung gestellt hatte. Auf Facebook konnte man ihre Klage über die Arroganz der Schriftstellerin und über die mangelnde Würdigung ihrer eigenen Leistung nachlesen.

Von mib

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