Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Julias Traum von der Harfe

Bad Segeberg Julias Traum von der Harfe

Die Harfe ist das Instrument des Jahres. Die Jungstudentin Julia Lilli von Grebmer (16) aus Bad Segeberg spielt sie mit großem Erfolg seit acht Jahren.

Bad Segeberg. Sanft streicht Julia Lilli von Grebmer über das braune Bubinga-Holz ihrer Harfe, sie lässt die Finger über die Saiten gleiten und schließt zufrieden die Augen. Die 16-Jährige genießt die gefühlvollen Töne und lächelt sanft. Es war Liebe auf den ersten Blick zwischen dem Mädchen und der 40 Kilo schweren Konzertharfe: „Alles fing an, als ich in der ersten Klasse war. Wir haben mit der Schule eine Veranstaltung besucht, bei der man alle Instrumente ausprobieren durfte“, erzählt sie, „da war diese goldene Harfe. Einfach ein Traum für jedes Mädchen.“

 

LN-Bild

Täglich setzt sich Julia Lilli von Grebmer an ihre Konzertharfe und übt. Schon als kleines Mädchen wünschte sich die Bad Segebergerin nichts sehnlicher als eine Harfe zu Weihnachten.

Quelle: Lutz Roeßler

Ihre Mutter war zunächst wenig begeistert, als sich die Sechsjährige zu Weihnachten nichts sehnlicher als eine Harfe wünschte. Sie schickte das Mädchen stattdessen zum Klavier- und Geigenunterricht.

Doch als sie zwei Jahre später mit ihrer Tochter ein Kinderkonzert im Lübecker Theater besuchte, hatte Julia wieder nur Augen für die Harfe. Anja von Grebmer sprach die Harfenistin an, wenig später durfte sich die Achtjährige ihre erste Hakenharfe aussuchen.

„Am Anfang dachte ich, dass es leicht ist, die Harfe zu spielen“, erinnert sich Julia, „weil sie auch einen schönen Klang hat, wenn man nur zwei Töne spielt. Das ist sehr motivierend.“ Doch das Mädchen wollte mehr. Jede Woche bekam sie Unterricht, übte viel zu Hause und wurde schnell besser. Mit nur zehn Jahren nahm sie das erste Mal bei „Jugend musiziert“ teil. Sie belegte im Landeswettbewerb zwar den ersten Platz, war aber noch zu jung für die Teilnahme am Bundeswettbewerb. In diesem Jahr ist sie nun zum vierten Mal dabei. Auf Landesebene löste sie mit ihrem Harfen-Ensemble bereits das Ticket für den Bundeswettbewerb in Kassel im Mai.

Neben der Musik bleibt der 16-Jährigen kaum Zeit für andere Hobbys. Golf hat sie mal ausprobiert, Tennis auch, aber der Funke will nur bei der Musik überspringen. „Schon als Kind hat Julia am liebsten alte Schallplatten gehört“, erzählt ihre Großmutter Dagmar Wulf. Die Liebe zur Klassik ist bis heute geblieben. „Besonders die Romantik liebe ich, da kommt die Harfe auch besonders stark zum Einsatz“, sagt die 16-Jährige.

Auch in der Schule ist Julias Lieblingsfach Musik, und natürlich hat sie darin auch eine Eins. „Sie ist wirklich eine super Schülerin, gerade erst wurde sie von ihrer Schule für die Deutsche Schülerakademie vorgeschlagen“, berichtet ihre Großmutter stolz. Julia ist so viel Wirbel um ihre Person unangenehm, sie winkt ab. „Dafür werden jedes Jahr welche benannt“, sagt sie bescheiden. Dabei hat die 16-Jährige noch mehr geschafft: Seit zwei Jahren ist sie Jungstudentin an der Musikhochschule Lübeck, studiert dort Harfe und im Nebenfach Klavier. Dazu kommen unzählige Auftritte auf Geburtstagen oder Hochzeiten und die Mitarbeit in verschiedenen Orchestern.

Im Jugendsinfonieorchester Ahrensburg, dem Landesjugendorchester, dem Chiffren-Ensemble Kiel (für Neue Musik) und ihrem Schulorchester ist Julia von Grebmer festes Mitglied. Dazu kommen Gastauftritte beim Bad Segeberger Sinfonieorchester, den Pop Symphonics Lübeck und dem Orchester der Musikschule Norderstedt. Und ganz nebenbei beherrscht Julia das Orgelspiel so gut, dass sie in der Bad Segeberger Marienkirche schon die Organistin im Gottesdienst vertreten hat.

Im kommenden Jahr macht die Bad Segebergerin ihr Abitur am Johanneum in Lübeck. Was dann folgt, weiß die 16-Jährige noch nicht. „Vielleicht studiere ich Kirchenmusik, oder es gibt auch einen eigenen Studiengang für die Harfe“, sagt sie. Und vielleicht wird dann ja auch irgendwann ihr Traum wahr, mit den Berliner oder den New Yorker Philharmonikern aufzutreten. Mutter und Großmutter jedenfalls dürften daran kaum Zweifel haben. „Julia schafft alles was sie anfängt mit Bravour“, sind die beiden überzeugt.

Die nächsten Auftritte: Am 9. April tritt Julia Lilli von Grebmer mit dem Landesjugendorchester auf Schloss Wotersen auf. Am 10. April folgt ein Auftritt in der Thormannhalle Büdelsdorf. Vom 12. bis zum 19. Mai tritt die Harfenistin mit ihrem Ensemble beim Bundeswettbewerb gegen die Konkurrenz in Kassel an. Am 20. Mai gibt sie gemeinsam mit einer russischen Kollegin ein Konzert in der St. Jakobi Kirche in Bornhöved, am 21. Mai ist sie dann in der Kirche in Lütjensee zu hören.

Das Instrument des Jahres

9 Mal kürte der Landesmusikrat Schleswig-Holstein das Instrument des Jahres. Alles begann 2008 mit der Klarinette.

Es folgten Trompete, Kontrabass, Posaune, Fagott, Gitarre, Bratsche, Horn und Harfe.

Mit der Auszeichnung sollen Konzertveranstalter, Musikhochschulen, Musikvereine, Fortbildungsinstitutionen, Schulen und Musikschulen vernetzt werden. Ziel ist es, Aufmerksamkeit für umfassende musikalische Aktivitäten in Schleswig-Holstein zu erhalten.

Schirmherrin des Projekts ist in diesem Jahr Gesine Dreyer. Sie ist eine renommierte Harfenistin und unterrichtet unter anderem an der Musikhochschule Lübeck. Die Harfe ist eines der ältesten Instrumente und überzeugte die Jury mit ihrer Vielseitigkeit. Sie sei als Klangfarbe im Orchester bedeutend, eigne sich aber ebenfalls vorzüglich als Soloinstrument.

Von Maike Wegner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden