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Junge Akteure bestimmten das Bild beim Musikfest

Pronstorf Junge Akteure bestimmten das Bild beim Musikfest

In Pronstorf ging der Förderpreis der Sparkassen an Sonja Kowollik.

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Musik zur Unterhaltung, als Protest und Jugendkultur

Die erst 16-jährige Flötistin Eva Gasparyan ist zentrale Musikerin beim „Jungen Bläserensemble“.

Quelle: Fotos: Kullack/malzahn/nickolaus

Pronstorf. Es waren zwei Gesichter, die das Pronstorfer „Musikfest auf dem Lande“ 2017 offenbarte: verregnet und geradezu ungemütlich am ersten Tag, mit strahlendem Sonnenschein und ebenso strahlenden Picknickern am Sonntag. Doch das galt nur für die äußeren Bedingungen – im Saale, nämlich im zum Konzertsaal umgebauten Kuhstall des Gutes, war an beiden Tagen wunderbare Musik vorwiegend junger Akteure zu hören – und das auf gleichbleibend hohem Niveau.

Um den Förderpreis der Sparkassen-Finanzgruppe wetteiferten die im Mai ermittelten ersten Preisträger des Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“ im Fach Klavier: Wei-Ting Chou (17), eine in Taiwan geborene Berlinerin. Außerdem Constantin Schiffner (18), sechstes von sieben Kindern der hochmusikalischen Lübecker Familie. Und schließlich Sonja Kowollik, eine erst 16-jährige Jungstudentin aus Münster. Mit Strawinskys „Feuervogel“, vor allem aber mit den fünf letzten der 24 Préludes von Chopin (opus 28), überzeugte sie die vierköpfige Jury, die ihr den mit 5000 Euro dotierten Förderpreis der Sparkassen-Finanzgruppe zuerkannte. Zur Jury gehörte auch Festival-Intendant Christian Kuhnt, der neben der „ausbalancierten Anschlagskultur“ auch den selbstbewussten Ausspruch lobte, dass sie nicht für die Jury, sondern für das Publikum spiele.

Constantin Schiffner war mit Liszts „Rhapsodie espagnole“ und Alexander Silotis Prélude h-Moll (nach Bachs Präludium e-Moll) angetreten und gewann den mit 500 Euro dotierten Publikumspreis. Wei-Ting Chou (17) ging zwar leer aus, bereitete dem Publikum im nahezu ausverkauften Saal mit Sätzen aus einer Haydn-Sonate und Schumanns „Faschingsschwank aus Wien“ sowie Debussys „L’isle joyeuse“ aber viel Freude. Ebenfalls eine Bereicherung am ersten Tag: Die Darbietungen von Carlo Lay (Cello) und Yun-Ting Hung (Klavier), den Preisträgern von 2016, sowie der Auftritt von Konstantin Schiffner mit seiner Schwester Felicitas (Geige), mit der er bereits 2014 auf Wettbewerbs-Reise in Russland unterwegs war.

Erst 24 Jahre jung ist der Pianist Amadeus Wiesensee aus Würzburg, aber bereits als Solist mit namhaften Orchestern vom Münchener Rundfunkorchester bis zu den Heidelberger Sinfonikern unterwegs. Er eröffnete Tag zwei mit Brahms (Variationen über ein Händel-Thema), mit drei Stücken aus Schuberts „Moments musicaux“, vor allem aber mit der fein empfundenen Sonate Nr. 7 in B-Dur von Sergei Prokofjeff.

Begeisterter und lang anhaltender Beifall belohnte ein „Junges Bläserensemble“, das am Sonntagmittag auch unter diesem Namen antrat: Gruppiert um die Flötistin Eva Gasparyan (16) nutzten Max Vogler (Oboe), Lewin Kneisel (Klarinette), Christian Panzer (Horn) und Sebastian Adrion (Fagott) – keiner von ihnen älter als 19 Jahre – Ravels „Le tombeau de Couperin“ eher zum Warmspielen, bevor das Quintett mit Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ die Frage aufwarf, warum es davon überhaupt Bearbeitungen für ein ganzes Orchester geben muss.

Nicht mehr ganz so jung an Jahren, unbändig aber in ihrer musikalischen Kraft, waren die vier Herren des finnischen Mundharmonika-Quartetts „Sväng“, die am Sonntag den Schlusspunkt setzten.

Lothar Hermann Kullack

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