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Junge Kunst aus dem Norden

Lübeck Junge Kunst aus dem Norden

Stipendiaten der Kultur-Stiftung des Landes stellen in der Overbeck-Gesellschaft aus.

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„Regionale 3“: Die Teller gehören zu einer Installation, Maxim Brandt (r.) inszeniert in seinen Bildern Wirklichkeiten.

Quelle: Fotos: Thorsten Wulff

Lübeck. Unwillkürlich hält man Abstand. Denn man möchte nicht auf einen der vielen Teller treten, die auf dem Boden stehen, einzeln oder noch in Stapeln. Die Kieler Künstlerin Lena Kaapke (27) wird daraus ihre Installation formen. In Tüten stecken Dinge, die sie aus der Natur mitgebracht hat. „Ich wandere gern“, sagt sie. Auf Landkarten hat sie ihre Wege markiert. Die Installation, an der sie noch arbeitet, ist eine Übersetzung ihres Naturbildes. Von Sonntag an wird sie zu sehen sein im Pavillon der Overbeck-Gesellschaft. Hier präsentieren sich bei der Ausstellung „Regionale 3“ zum dritten Mal Stipendiaten der Kulturstiftung des Landes-Schleswig-Holstein Mit ihren Arbeits- oder Reisestipendien will die Stiftung junge Künstlerinnen und Künstler aus Schleswig-Holstein unterstützen. Eine Altersgrenze gibt es nicht. Aber die Künstler sollen sich noch in ihrer Entwicklungsphase befinden. Bis zu 6000 Euro werden pro Arbeitsstipendium vergeben. Dabei lässt die Stiftung den Empfängern viel Freiheit, selbst zu entscheiden, wie sie das Geld einsetzen.

LN-Bild

Stipendiaten der Kultur-Stiftung des Landes stellen in der Overbeck-Gesellschaft aus.

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Gefördert werden Künstler der Sparten Bildende Kunst, Literatur und Theater. Acht Stipendiaten der Jahre 2014 und 2015 stellen nun in der Overbeck-Gesellschaft aus. Aber nicht nur die Bildenden Künstler kommen zum Zuge. Vertreter der anderen Sparten werden sich bei Konzerten und Lesungen präsentieren.

Die Ausstellung hat den Titel „News from Nowhere“ nach dem 1891 erschienenen utopischen Roman von William Morris, einem Begründer der sozialistischen Bewegung in Großbritannien. In seinem Werk entwerfe er das Bild eines deindustrialisierten und anarchischen Landes ohne Geldwirtschaft, schreibt Kurator Sönke Kniphals im Katalog zur Ausstellung.

Von einem Leben ohne materielle Sorgen können manche Künstler nicht einmal träumen. Stipendien wie die der Kulturstiftung versetzen sie jedoch in die Lage, zumindest für einen begrenzten Zeitraum ohne allzu große materielle Zwänge und Nöte zu arbeiten.

Mit dem Stellenwert der Kunst in der Moderne setzt sich der Lübecker Bildhauer und Maler Stephan Jäschke auseinander. Er hat eine Malerpalette und ein kleines Büchlein in Bronze gegossen, Walter Benjamins 1935 erschienenen Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“. Außerdem hat sich Jäschke mit dem Thema Vergänglichkeit beschäftigt. Über ein Jahr hat er Blumensträuße gekauft und diese gemalt: in frischem Zustand, nach der Hochzeit ihrer Blüte und schließlich vertrocknet oder verwelkt. Er hat mit Acrylfarbe gearbeitet, die schnell trocknet. Wie vor 100 Jahren habe er im Atelier vor der Staffelei gesessen und gemalt, sagt Jäschke: „Ich hatte wenig Zeit, die einzelnen Zustände festzuhalten“, so der 31-Jährige. Andererseits verwelken Blumen nicht von heute auf morgen. Den Prozess des Vergehens zu verfolgen, brauchte Geduld und Zeit.

Einen Ausstellungsraum weiter hängen die großformatigen Bilder der Kieler Künstlerin Stefanie Klick. In der Kieler Stadtgalerie hat sie über mehrere Wochen die Putzkolonne begleitet und fotografiert.

Frauen und Männer mit Feudel, Staubsauger oder Fensterwischer sind für sie „Menschen, die Spuren hinterlassen, indem sie Spuren beseitigen“. Klick überträgt ihre Fotos auf Zinkplatten und fixiert sie durch ein spezielles Verfahren. Das Ergebnis sind spiegelnde Bilder, die je nach Standpunkt des Betrachters die Fotos zeigen oder auch verschwinden lassen.

Eröffnung am Sonntag, 17. Juli, um 17 Uhr. Bis zum 14. August. Die Ausstellung wird in veränderter Form auch in Kiel und Berlin zu sehen sein.

DREI FRAGEN AN...

1 Warum haben Sie sich für das Stipendium beworben? Um die Arbeit realisieren zu können, die ich im Kopf hatte. Ich hatte schon angefangen und brauchte Unterstützung, um fast ein Jahr lang konzentriert daran arbeiten zu können.

2 Welche Bedeutung hat die Unterstützung über die materielle Förderung hinaus? Sie stiftet Identität, was sehr wichtig ist. Es geht darum, sich bewusst zu sein, wo man ist und was man machen kann, wie man wirksam werden kann. Und sie gibt einem die Möglichkeit, frei zu arbeiten und sich auf das Projekt zu konzentrieren, mit dem man sich beworben hat.

3 Ist Kunst heutzutage universell? Oder gibt es Verbindendes in der Kunst, die in Schleswig-Holstein entsteht? Ich glaube, dass es eine Mischung von beidem ist. Auffällig ist, dass ein Schwerpunkt auf Natur liegt, die in Schleswig-Holstein in vielfältiger Weise erlebbar ist. Ob es das Wasser ist, Sand oder Wellenphänomene – die Natur prägt uns sehr. Das ist in anderen Bundesländern oder Regionen der Welt vielleicht nicht so stark. liz

Liliane Jolitz

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