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18:13 21.10.2017

Visionär und immer wieder an die Grenzen des damals musikalisch Denkbaren stoßend ist diese Sinfonie, die in ihrer Emotionalität kein Maß zu kennen scheint. Der ganze Zauber dieses Werkes erschloss sich bei der Aufführung in der MuK durch das NDR Elbphilharmonie Orchester unter Leitung von Thomas Hengelbrock jedoch nur zum Teil. Schon im ersten Satz wurde deutlich, woran es mangelte.

Gustav Mahler (1860-1911). Quelle: Foto: Dpa

Hengelbrock gelang es nicht, die richtige Balance der Instrumentengruppen zu finden. Die häufig unpräzise spielenden Bläser waren durchgehend zu laut, der Streicherklang wirkte zudem stumpf und glanzlos. Hengelbrock dirigierte mit großer Geste, das Ergebnis jedoch war eher mager. Dem zweiten Satz fehlte das groteske Moment, das diesen wilden Totentanz auszeichnet. Die verzerrten Tanzmelodien erklangen viel zu glatt und nicht in der Expressivität, die eigentlich erforderlich ist.

Im dritten Satz war die Auflösung der musikalischen und harmonischen Formen immerhin hörbar, wenngleich auch nicht so präzise gestaltet, wie es diesem Aufbruch in die Neue Musik gebührt. Hengelbrock stellte die Fragmente und Melodiefetzen nebeneinander, der innere Zusammenhang dieses verzweifelten Stammelns am Ende der Zeit und des Lebens fehlte.

Die Darbietung des vierten Satzes mit seinem unendlich langen Verklingen am Schluss gelang am besten und versöhnte ein wenig mit den Mängeln der ersten drei Sätze. Hengelbrock fand hier den richtigen Zugang zum Inhalt des Werkes, das Orchester setzte diesen Inhalt trotz Intonationstrübungen und weiterhin zu lauter Bläser gut um, in diesem Finale stellte sich endlich auch das Gefühl ein, das diese Sinfonie auszeichnet. Abschied von der Welt, vom Leben, ein Vergehen im Universum, Musik von unendlicher Trauer. Gustav Mahlers musikalisches Testament, dieses große „Lebe wohl“ an alles, was er liebte, erhielt zum Schluss die notwendige Würde und Demut. fel

LN

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