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Kultur im Norden KONZERTKRITIK
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20:10 04.11.2017
Lübeck

Die 28 Sängerinnen und Sänger zeigten schon in den beiden Motetten von Heinrich Schütz zu Beginn eine enorme Bandbreite der Ausdruckskraft und feine dynamische Abstufungen bei blitzsauberer Intonation. Das Konzert stand im Zeichen der Themen Tod, Leid und Trauer – dazu steuerte Marienorganist Johannes Unger an der Totentanzorgel zwei Werke von Sweelinck und Vierne bei.

Höhepunkt des Abends jedoch war die Aufführung des Totentanzes von Hugo Distler, eine kongeniale Adaption des Lübecker Totentanzes von Bernd Notke, der in der Bombennacht 1942 zerstört wurde.

In Zusammenarbeit mit dem Lübecker Heimatdichter Johannes Klöcking entwickelte Distler 1934 die Dialoge der mit dem Tod hadernden Menschen nach dem Vorbild der niederdeutschen Verse des Originals von 1462, die neben Texten von Angelus Silesius gesprochen werden. Die dicht gedrängte Formung der fast programmatischen kurzen Chorsätze, besonders geprägt durch Polymetrik und komplizierte Vorhaltsbildungen, stellt höchste Ansprüche, die der Kammerchor unter der sensiblen Leitung von Martin Granau mit Ernst und Eindringlichkeit hervorragend erfüllte. Man hatte sich für eine halbszenische Darstellung der Sprechtexte mit sparsamen Attributen entschieden. Der Kaiser etwa trug eine Krone, der Landsknecht ein Schwert, die Jungfrau hatte den Korb bei sich, den sie dem Tod gerne gegeben hätte. Besonders eindrucksvoll die Darstellung des Kindes sowie Jürgen Monrad als Tod. Ganz vorzüglich auch Ida Ritter (Flöte) mit den Variationen über „Es ist ein Schnitter, der heißt Tod“, die Distler für eine spätere Aufführung hinzufügte. srf

LN

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