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Kabarett mit klarer Kante

Wien Kabarett mit klarer Kante

Werner Schneyder wird heute 80 Jahre alt – und kündigt weiterhin Auftritte in Deutschland und Österreich an.

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Scharfzüngiger Kabarettist: Werner Schneyder.

Quelle: Foto: Dpa

Wien. Er ist politisch betrachtet eine schillernde Figur. „Ich bin in einigen Punkten erzkonservativ, in anderen tief grün, flächendeckend liberal und sozialpolitisch sehr links“, sagt der Kabarettist Werner Schneyder über sich selbst. Mit dieser Grundhaltung findet er in der aktuellen Multi-Krisen-Welt reichlich Stoff für Bücher und Bühnenauftritte. Zu seinem 80. Geburtstag am heutigen Mittwoch schenkt er sich und dem Publikum eine Premiere im Wiener Burgtheater. Unter dem Titel „Das war’s von mir“ will er seine besten Kabarettnummern in aktualisierter Version und dazu Chansons präsentieren. „In der zweiten Hälfte singe ich Liebeslieder. Das ist der andere Schneyder“, sagt er.

Seine aktuelle Stimmung beim Blick auf die Politik sei sehr schwankend, sagt er. „Sie pendelt zwischen Optimismus und Pessimismus, zwischen Resignation und Tollwut.“ Bekannt wurde Schneyder in Deutschland als kongenialer Partner von Kabarett-Legende Dieter Hildebrandt. Mit ihm arbeitete er viele Jahre zusammen. Das erste gemeinsame Programm „Talk täglich“ wurde 1974 in der Münchner „Lach- & Schießgesellschaft“ ein Riesenerfolg. „Es war eine politische Seelenverwandtschaft“, sagt Schneyder über die Jahre mit dem 2013 gestorbenen Künstler.

Daneben arbeitete Schneyder fürs Fernsehen, moderierte mehrfach das ZDF-Sportstudio, kommentierte als gelernter Ringrichter in bis dahin ungewohnt nüchterner, sachlicher Art viele Boxkämpfe.

Schneyder will Ernsthaftigkeit und Format. Die Auseinandersetzung mit der Welt nach Art der Comedians, deren Ziel möglichst viele Lacher seien, lehnt er zutiefst ab. „Das ist Idiotie für Idioten“, meint der Wort-Jongleur. Der gebürtige Grazer mit Doktortitel in Publizistik war erst Lokal-Sportreporter und Werbetexter. Wenig später arbeitete er in Salzburg als Dramaturg und profilierte sich mit harschen Urteilen als Theaterkritiker, bevor er erneut die Seiten wechselte und selbst als Kabarettist auf der Bühne stand. Meist verfolgte er seine Interessen parallel, war gleichzeitig Autor und Kabarettist, Schauspieler und Aphoristiker oder Regisseur und Drehbuchautor.

Den Krebstod seiner ersten Frau Ilse hat er 2008 im Buch „Krebs. Eine Nacherzählung“ auf drastische Weise verarbeitet. Schonungslos erzählt er darin vom Leiden. Es ist auch eine Klage gegen die Ärzte: „Ich wollte ohne Kompromisse öffentlich machen, was einem Menschen widerfährt, den sie in ,häusliche Pflege‘ entlassen, nur um nicht mitansehen zu müssen, dass ihre Heilkünste auch als Folter begriffen werden können“, begründet Schneyder in seinem jüngsten Buch „Gespräch unter zwei Augen. Dialog eines Lebens“ die Veröffentlichung.

Tourneen sind Schneyder mittlerweile zu anstrengend. Aber 2017 wird er dennoch 20 bis 25 Auftritte auf großen und mittelgroßen Bühnen in Deutschland und Österreich absolvieren. Das Lampenfieber sei auch nach mehr als 1000 Auftritten enorm. „Die Nerven sind wohl abgewetzt“, sagt er. Matthias Röder

LN

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