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Kalender: Papier trotzt Digital

München Kalender: Papier trotzt Digital

.   Telefonieren, Mails checken und chatten — für all das setzen viele Menschen aufs Smartphone.

München. .   Telefonieren, Mails checken und chatten — für all das setzen viele Menschen aufs Smartphone. Trotzdem werden Kalender aus Papier auch in diesem Jahr ihren Stammplatz unterm Weihnachtsbaum behaupten. Der Umsatz der Branche wächst, und entsprechend selbstbewusst begegnet sie der digitalen Konkurrenz. Angst vor Smartphone- und Outlook-Organizer? „Überhaupt gar nicht“, sagt Jürgen Horbach, Geschäftsführer des Kalenderherstellers KV&H.

Doch wer braucht in Zeiten von Smartphone- und Outlook-Kalender noch bedrucktes Papier mit Kalendarium, dazu wahlweise das Bild eines idyllischen Sonnenuntergangs oder einen vielsagenden Sinnspruch? Und vor allem: wozu?

„Ein Kalender ist mehr als nur zwölf Bilder mit einer Zahlenleiste“, sagt Anette Philippen, Sprecherin der Interessengruppe Kalender beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Für viele ist der Kalender nicht nur Geschenk-, sondern auch Deko-Artikel. Außerdem seien viele Käufer Wiederholungstäter, die in jedem Jahr das gleiche Produkt kaufen — und es an den immer gleichen Platz hängen.

Ein Dauerbrenner ist zum Beispiel der Familienplaner. Hinzu komme der „Retrotrend“: Selbstgemachtes und Selbstgeschriebenes erlebten in der Gesellschaft einen Boom. Julia Hattrup von der Buchhandelskette Thalia: „Viele Menschen schätzen die haptischen Eigenschaften und tragen Termine gerne per Hand ein.“ Der Anspruch an Individualität und Qualität steigt laut Sprecherin des Korsch-Verlags: „Wer heute einen analogen Terminkalender verwendet, möchte damit oft auch seinen persönlichen Stil unterstreichen.“

Die Hitliste der zehn meistverkauften Kalender ähnelt sich in jedem Jahr. Zuletzt standen fünf Mondkalender in den Top Ten. In diesem Jahr besonders angesagt: Sprüche-, Typographie- sowie Vegankalender. Und die Filmfiguren, etwa Star Wars und Minions.

Dabei fahren viele Menschen zweigleisig: „Jeder, der einen digitalen Kalender hat, hat auch mindestens einen Papierkalender“, sagt Horbach. Vielfach wird beruflich die Digital-Variante gebraucht, privat die analoge Version. Dem aktuellen Zeitgeist dürfen die Macher sich dennoch nicht verschließen. Auf Online-Plattformen wie Instagram und Pinterest erlebe der Nutzer eine wahre Bilderflut. Das hat Auswirkungen auf Kalender-Motive: „Die klassischen Touristenattraktionen hat jeder selbst auf dem Smartphone.“ Deshalb versuchten die Verlage eine besondere Sicht auf fremde Länder zu bieten. Und zumindest eine Gemeinsamkeit haben on- und offline dann doch: Katzen gehen immer.

LN

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